Pikante Dosis moderner Schräge

Saarbrücken. "Die Stadt kann stolz auf das Festival sein", lobte Bürgermeister Kajo Breuer zum Start des "Jazz Transfers" am vergangenen Freitag im randvollen Rathausfestsaal die Veranstalter vom Förderverein Jazz Syndikat

Saarbrücken. "Die Stadt kann stolz auf das Festival sein", lobte Bürgermeister Kajo Breuer zum Start des "Jazz Transfers" am vergangenen Freitag im randvollen Rathausfestsaal die Veranstalter vom Förderverein Jazz Syndikat.

Dessen erste Vorsitzende, Marlene Krieger, und der künstlerische Leiter, Wolfgang Krause, stimmten das Auditorium auf ein Festival mit den Schwerpunkten Frankreich und USA und einen deutsch-schweizerischen Eröffnungsabend verschiedener Musiker-Generationen ein.

Zum aufmerksamen Hinhören zwang gleich Christoph Grabs (Saxofon) Ensemble "Cryptic Blues". Um den Berliner Spitzentrompeter Axel Dörner verstärkt, vertraten Flo Stoffner (Gitarre), Dominik Girod (Bass) und Dieter Ulrich (Schlagzeug) eine junge Garde experimentierfreudiger Schweizer Jazzer.

Zwar gab's hier auch flinken, swingenden Bebop, über weite Strecken pflegte der Grab-Fünfer jedoch eine coole Gangart und bürstete seine ebenso komplexen wie stimmungsvollen Hommagen an Pioniere des Neuen Jazz wie Charles Mingus und Ornette Coleman gerne gegen den Strich.

Nach dieser pikanten Dosis moderner Schräge servierten Joe Haiders "Cinq" Modern-Jazz nach dem Reinheitsgebot. Eine helle Freude, mit welcher archaisch anmutenden Energie der unlängst noch schwer erkrankte Keith Copeland, ein wahrer Feuerteufel am Schlagzeug, und Giorgos Antoniou (Bass) das Quintett vorantrieben. Neben den atemberaubenden Hochgeschwindigkeits-Nummern rückten lyrische Intermezzi die Bläserspitze aus Claus Reichstaller (Solo-Trompeter der SWR-Bigband) und dem international präsenten Tony Lakatos (Saxofon) ebenso in ein helles Licht wie den unverwechselbaren Klavier-Altmeister Joe Haider, noch aus Tagen des Jazzkellers "Gießkanne" den Saarbrückern in bester Erinnerung. Begeisterung.

Am Samstag war dann Sinti-Jazz-Tag im proppenvollen Kulturbistro Malzeit mit dem "Reinhardt-Winterstein-Quintett". Trümpfe des in Lothringen, Elsass und Saarbrücken (Otmar Klein, Bass) beheimateten Ensembles waren neben den seelenvollen Fantasien des Sologitarristen Gisela Reinhardt die eleganten Akkordeon-Pirouetten von Gaston Michel "Calabrun" - sie erlaubten Abstecher zu Musette und Chanson und zum Tango à la Astor Piazzolla.