Pflegestützpunkte sollen noch bekannter werden

Sie sind gut so, wie sie sind, sollen aber noch gestärkt und bekannter gemacht werden. So lautet das Expertenfazit über die bislang acht Pflegestützpunkte im Saarland. Im Regionalverband gibt es drei.

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD ) ist "stolz darauf", was die Pflegestützpunkte im Saarland und speziell im Regionalverband Saarbrücken leisten, wie gut sie funktionieren und angenommen werden. Die drei Stützpunkte in der Region befinden sich in Saarbrücken , Völklingen und Sulzbach.

Zu gleichen Teilen von Land, Kreisen und Pflegekassen finanziert, bieten sie seit nunmehr sieben Jahren Menschen, die pflegebedürftig werden sowie deren Angehörigen kostenlose, trägerübergreifende Beratung an. 4200 Personen haben sich allein im Jahr 2015 an einen der drei Pflegestützpunkte im Regionalverband gewandt.

Die Stützpunkte, besetzt mit Sozialarbeitern, Pflegefachkräften und Sozialversicherungs-Fachangestellten (insgesamt 33 volle Stellen im Land), ersparen damit Bedürftigen und Angehörigen diverse Wege zu Kranken- und Pflegekassen, zum Mobilen Sozialen Dienst oder auch dem Sozialamt. Sie bieten idealerweise alle Informationen aus einer Hand, übrigens auch bei Hausbesuchen. Typische Fragen sind: Wo gibt es welche Pflegehilfsmittel? Wer hilft im Haushalt oder bei Besorgungen, wenn es alleine nicht mehr geht? Wie komme ich in eine Reha-Einrichtung oder zu der "richtigen" Therapie? Wie kann ich wieder unabhängig von fremder Hilfe leben? Wo gibt es welche Pflegedienste, mit welchen Angeboten, zu welchen Preisen? Was kostet die Pflege und wer kann bei der Finanzierung helfen? Wer hilft meinen Angehörigen, damit sie mich unterstützen können? Häufige Beratungsthemen sind auch Demenz und Vorsorgevollmachten .

Ziel ist, dass die Betroffenen möglichst lange in der eigenen Wohnung leben können und die richtige Hilfe zum rechten Zeitpunkt erhalten. Pflegebedarf soll möglichst vermieden oder verschoben werden.

Bei einem "Pflegestützpunkt-Dialog" am Montag im Saarbrücker Schloss plädierte Armin Lang, Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK dafür, "noch besser zu werden", unter anderem Verträge und Zusammenarbeiten mit Kliniken und Betrieben einzugehen und die Fortbildung für Mitarbeiter zu erweitern. Der Beratungsbedarf in der Bevölkerung werde erheblich steigen, denn die Leute hätten "mehr Angst vorm Älterwerden als vor dem Sterben". Breite Zustimmung fand der Vorschlag, die Existenz der Pflegestützpunkte und ihre individuellen Beratungsleistungen noch deutlich bekannter zu machen. Eine Befürchtung, die bei der Schaffung vor einigen Jahren im Raum gestanden hatte, wurde wohl im Alltag nicht konkret: Es gibt nach allgemeiner Auffassung keinen Wettbewerb der Stützpunkte mit den Beratern der Kranken- und Pflegekassen. "Wir haben keinen Konkurrenzkampf", versicherte etwa Norbert Guth für die Allgemeine Ortskrankenkasse AOK .

Bernd Seiwert, Abteilungsleiter beim saarländischen Sozialministerium, stellte eine Aufstockung der Stützpunkte, deren Arbeit "in die richtige Richtung" gehe, mit je einer halben Stelle (im Sinne eines "Care-Netzwerkes") sowie mehr Beratungsleistung zum Thema Wohnen in Aussicht. Er erlaubte sich aber auch den Wunsch zu äußern, dass die Menschen selbst für den Fall ihrer Bedürftigkeit vorsorgen möchten. So koste das barriefreie Neubauen nur drei Prozent mehr als das herkömmliche Bauen - also ungleich weniger als Nachrüsten von Häusern und Wohnungen.