Pflanzen und der erotische Mann in der Kunst

Neue Malerei aus Großbritannien, konzeptuelle Malerei des New Yorker Künstlers Russell Maltz, Sound-Installationen des Belgiers François Martig und ein international besetztes Ausstellungsprojekt zum Thema Sexualität in der feministischen Kunst: „2017 wird das Ausstellungsprogramm der Stadtgalerie vielfältig, poetisch, erotisch“, verspricht Direktorin Andrea Jahn.

Der weibliche, erotische Blick auf den Mann. Auseinandersetzungen mit Politik und ihren Folgen, eine raumgreifende Skulptur im Innenhof und künstlerische Positionen aus Großbritannien: Das Ausstellungsjahr in der Stadtgalerie verspricht einige spannende, überraschende künstlerische Erlebnisse.

Bereits seit ein paar Wochen läuft Martin Melchers Leuchtkasteninstallation "Trautes Heim" zum Flüchtlingsthema im Hof der Stadtgalerie. Der junge Weimarer Foto-Künstler stellt in seiner Bild-Text-Serie nicht nur einen besondere menschliche Nähe zu den Geflüchteten her, sondern reflektiert auch deren Hin- und Hergerissensein zwischen alter und neuer Heimat. Diese Schaukästen sind noch bis Ende April im Hof zu sehen.

Um eine kritische Reflexion virtueller und realer Bilder geht es auch in der Ausstellung "New Neighbours" mit aktueller Malerei aus Großbritannien, die vom 3. Februar bis 30. April zu sehen ist. "Mit Paul Morrison und Jost Münster präsentieren wir zwei Positionen, in denen die Auseinandersetzung mit den Bildwelten der Neuen Medien und der Metropole im Fokus stehen", erklärt Stadtgalerie-Direktorin Andrea Jahn dazu. Die Gemälde und Objekte des 1968 geborenen Jost Münster sind abstrakt und spielen zugleich mit Referenzen an Architektur und Stadtraum. Dagegen entstammt der Bilderkosmos Paul Morrisons (geboren 1966) botanischen Lehrbüchern, Comics und Kinderbuchillustrationen. Mit seinen wandfüllenden schwarz-weißen Landschaftspanoramen wurde er bereits in den 1990er Jahren international bekannt und ist mit seinen Werken in namhaften Sammlungen, wie dem Museum of Modern Art in New York, vertreten. "Für die Stadtgalerie wird er eine neue, den Raum bestimmende Wandmalerei entwickeln, die den Charakter des barocken Stadtpalais aufgreifen und ins Phantastische kehren wird", erläutert Jahn.

Zum ersten Mal seit ihrer Wiedereröffnung wird in diesem Jahr auch der Hof der Stadtgalerie wieder zum Ort einer skulpturalen Installation. "In den raumgreifenden Arbeiten des New Yorker Künstlers Russell Maltz (geboren 1959 in Brooklyn) begegnen wir einer Malerei ohne Leinwand, ohne Grenzen - einer Malerei , die auf Baustellen, Parkplätzen, im Gebirge oder in einem barocken Stadtpalais wie der Stadtgalerie stattfinden kann", so Andrea Jahn. Parallel dazu ist die Arbeit von François Martig (geboren 1978 in Belgien) zu erleben. Klänge, ihre skulpturale Inszenierung und die Auseinandersetzung mit der Landschaft zählen zu den elementaren Bestandteilen von dessen Werk. Seine Ausstellung "Hypo-Landscapes: Politics of Battlefields" wird kuratiert von Kamila Kolesniczenko.

Ein ästhetisch wie politisch aufgeladenes Ausstellungsprojekt hat die Stadtgalerie im Herbst geplant: Mit "In the cut - Sexualität in der Feministischen Kunst" präsentiert die Galerie Männerbilder aus der Perspektive von Künstlerinnen. Damit knüpft sie an eine Ausstellungsidee an, die Bernd Schultz, der erste Direktor der Stadtgalerie, im Jahr 1986 mit der berühmten Fotografin Herlinde Koelbl realisierte. Ihre Ausstellung "Männer" war die bislang erfolgreichste Schau der Stadtgalerie - "ein mutiges Projekt, das bis heute in seiner Thematik einzigartig geblieben ist", erklärt Jahn und erläutert weiter: "Bilder von Sexualität spielen in der Kunstgeschichte seit jeher eine entscheidende Rolle. Doch bis in die 1970er Jahre war es der männliche Blick, der die Politik dieser Bilder geprägt hat - mit der Frau als ihrem sinnlichen Objekt. So konzentrierten sich auch Künstlerinnen in ihrer feministischen Auseinandersetzung mit erotischen Themen zunächst auf die Erkundung des eigenen weiblichen Körpers, während der erotische Blick auf den Mann bis heute eine Ausnahme darstellt".

Diese Ausnahme wird im Herbst in Saarbrücken in einer multimedial angelegten Ausstellung zur Regel mit Werken von Künstlerinnen wie Louise Bourgeois , Tracey Emin und Herlinde Koelbl, die auf Arbeiten von jüngeren Künstlerinnen wie Alicia Framis, Anna Jermolaewa oder Aude du Pasquier Grall treffen.

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 Martin Melchers „Trautes Heim“ ist im Hof zu sehen. Foto: Melcher
Martin Melchers „Trautes Heim“ ist im Hof zu sehen. Foto: Melcher Foto: Melcher

Auf einen Blick Bis 30. April: Martin Melcher. Trautes Heim. Die Porträtserie von Geflüchteten wird im Innenhof als Leuchtkasteninstallation gezeigt. 3. Februar bis 30. April: Aktuelle Malerei aus Großbritannien - vertreten durch Jost Münsters und Paul Morrison. 19. Mai bis 27. August im Innenhof der Stadtgalerie: Malerei des New Yorker Künstlers Russel Maltz sowie François Martig "Hypo-landscapes: Politics of Battlefields". 21. Juli bis 27. August: Künstleraustausch artmix mit Marion Cziba und Naomi Liesenfeld mit den luxemburgischen Künstlerinnen Aude Legrand und Nora Wagner. 22. September bis 14. Januar 2018: In the Cut - Sexualität in der Feministischen Kunst. red