Performance als Notsignal und Warnung vor dem Bienensterben

Saarbrücken · Ein nach Wachs duftender, dunkler Raum, zwei Leinwände, eine kleine Guckkastenbühne, dazu ein Overhead-Projektor als Operationsfläche und ein verhängter Sessel, auf dem langsam ein Vanitas-Stillleben mit Symbolen der Vergänglichkeit heranwächst: eine Performance als Notsignal."Parcelle Volatilis" (übersetzt etwa: Vergängliches Besitztum) möchte dafür sensibilisieren, dass die Honigbienen vom Aussterben bedroht sind.

 Szene aus „Parcelle Volatilis“ mit Élodie Brochier. Foto: kek

Szene aus „Parcelle Volatilis“ mit Élodie Brochier. Foto: kek

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Schuld ist der Mensch durch aggressive Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden. Dabei sind die Bienen für die Bestäubung von Pflanzen zuständig und tragen so in überlebensnotwendiger Weise zur menschlichen Nahrungskette bei. Eine dramatische Situation also, von der sich die französische Puppenspielerin und Performerin Élodie Brochier zu ihrer neuesten Kreation inspirieren ließ: einer mahnenden Hommage an die Biene als archaisches Fruchtbarkeitssymbol wie moderne Ökosystem-Dienstleisterin.

Das kontemplative Manifest kommt, typisch Brochier, ebenso bildgewaltig wie mysteriös und ikonografisch verschlüsselt daher und lässt dem Publikum weidlich Freiraum für Interpretation: Es schöpft aus literarischen wie philosophischen Quellen und kombiniert an verschiedenen Stationen Aktion, (Live-)Projektion und Collagen aus symbolträchtigem Objekttheater mit Schildern und zweidimensionalen Puppen.

Am Samstag war (zugleich die letzte Abend-Veranstaltung dieser Spielzeit) Premiere im Kleinen Theater im Rathaus - Lichtinstallation und Technik besorgte Florian Layes; für Brochiers erkrankte Bühnenpartnerin Véronique Verdet sprang kurzfristig der französische Multiinstrumentalist und Performer David Metzner ein. Als nahezu unsichtbare Akteure verschmolzen Brochier und Metzner mit dem düsteren Hintergrund.

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