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Patient erschießt Ärztin

Saarbrücken. Die Tat schockiert: Ein 44-Jähriger aus Quierschied erschießt in einer Dudweiler Praxis eine 52-jährige Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie. Sie soll ihn behandelt haben. Warum der Mann sie tötete, ist unklar. Johannes Schleuning

Eine 52-jährige Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie ist gestern Morgen gegen elf Uhr in einer Praxis in Dudweiler von einem ehemaligen Patienten erschossen worden. Zehn weitere Patienten und Praxismitarbeiter werden Zeugen des Attentats. Der 44-jährige mutmaßliche Täter aus Quierschied flüchtet, wird aber kurze Zeit später von der Polizei noch in der Nähe der Praxis verhaftet. Die Tatwaffe hat er in einen öffentlichen Mülleimer geworfen. Sie wird von den Beamten sichergestellt. Die Patienten und Praxismitarbeiter stehen unter Schock. Sie werden von Polizeiseelsorgern betreut. Niemand kann die Tat fassen. Warum der 44-Jährige die Ärztin erschossen hat, ist unklar. Er gilt als "psychisch auffällig", teilt die Polizei mit.

Die 52-jährige Medizinerin, die die Praxis im Zentrum von Dudweiler gemeinsam mit zwei Ärzten betrieb, hatte sich unter anderem auf die Behandlung von Epilepsie, Nervenschädigungen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Depressionen und Alkoholkrankheiten spezialisiert. Sie hatte in den 80er Jahren an der Universität des Saarlandes studiert und später an mehreren Kliniken sowohl im Saarland als auch in Frankfurt am Main gearbeitet. Seit 2003 war sie niedergelassene Ärztin in der Gemeinschaftspraxis in Dudweiler .

Am Freitagmorgen stirbt sie in dieser Praxis an den Folgen der Schussverletzungen. Der 44-jährige mutmaßliche Täter hatte mit einer Neun-Millimeter-Pistole mehrere Schüsse auf sie abgegeben. Nach seiner Verhaftung wird er in Polizeigewahrsam genommen. Er soll medizinisch begutachtet werden. Die Leiche der Ärztin wird derweil zur Obduktion in die Uniklinik nach Homburg gebracht.

Im Mai vergangenen Jahres hatte es einen ähnlichen Fall in Saarbrücken gegeben. Ein 62-jähriger Mediziner war von einem Patienten angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Der 34-jährige Täter hatte dem Arzt vor dessen Praxis in den Kopf geschossen. Anschließend schoss er sich selbst in den Kopf und starb. Die Polizei ging seinerzeit davon aus, dass die Tat im Zusammenhang mit der Drogensucht des Patienten stand. Der Arzt betreute in seiner Praxis unter anderem Rauschgiftabhängige, die an einem Drogenersatz-Programm teilnahmen.