Parlieren in der Sprache der Nachbarn

Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) will Französisch stärker im saarländischen Bildungsbetrieb verankern. Einige Schulen im Kreis Neunkirchen legen schon jetzt großen Wert auf die Nachbarsprache.

. Geht es nach dem Willen der saarländischen Landesregierung, wird die französische Sprache in den kommenden Jahren einen enormen Aufschwung erleben. Flächendeckender Französischunterricht von klein auf, das ist ein Aspekt der neuen Frankreich-Strategie, die die Landesregierung künftig fahren will. Ein Vorhaben, das bei vielen Schulleitern im Kreis Neunkirchen auf offene Ohren stößt.

Vorreiterin ist sozusagen das Illtal-Gymnasium in Illingen, das sogar ein bilinguales Profil vorweisen kann. Hier erhalten die Schüler in der fünften Klasse eine Zusatzstunde Französisch, in der sechsten Klasse zwei. Ab Klasse sieben erfolgt der Erdkunde-Unterricht in französischer Sprache und ab Klasse acht der Geschichtsunterricht. Mehrere Jahrgänge haben bereits das Abi-Bac absolviert, das in Deutschland und Frankreich als Hochschulreife anerkannt ist, berichtet der kommissarische Schulleiter Dirk Kleemann. "Der Vorstoß der Regierung ist auf jeden Fall positiv zu bewerten", meint Kleemann. Am Illtal-Gymnasium, das im übrigen auch als verpflichtende Eingangssprache Französisch hat, sei zum Schuljahr 2013/14 eine ganze Klasse für den bilingualen Zweig zustande gekommen. Also ein Angebot, das erfolgreich nachgefragt werde.

Fest an der Eingangssprache Französisch will auch das Neunkircher Gymnasium am Steinwald festhalten. Schulleiterin Karin Weiskircher-Hemmer erklärt dies mit der Nähe zu Frankreich und der Möglichkeit, die Sprache im Alltag bei Besuchen befreundeter Schulen in Metz und Paris auch anwenden zu können. Auch sie bewertet die "Frankreichstrategie" also positiv, allerdings müsse verstärkt die Französisch-Kompetenz in die Grundschulen gebracht werden. "Nur dann bleibt die Freude an der Sprache", ist Weiskircher-Hemmer überzeugt. Zurzeit seien die Voraussetzungen in den Grundschulen sehr unterschiedlich. Das höre sie von den Eltern der Viertklässler, die sich für eine erste Fremdsprache entscheiden müssen.

Die Nähe zu Frankreich sieht auch Clemens Wilhelm als Chance für das Saarland. Der Leiter der Ganztagsgemeinschaftsschule (GGS) Neunkirchen gibt zu bedenken, dass es eine Frage der Ressourcen sei, ob der Plan zu einem Erfolg werde. "Wenn ich so etwas mache, muss ich auch etwas investieren", fordert er wie Karin Weiskircher-Hemmer dafür ausgebildete Erzieher und Lehrer in den Kitas und Grundschulen. An der GGS können die Schüler zwischen Englisch und Französisch als erster Fremdsprache wählen. Wilhelm hat hier eine Verschiebung hin zu Englisch festgestellt, "aber wir schaffen es noch, Französisch als erste Fremdsprache aufrecht zu erhalten."

Zum Thema:

HintergrundIm Landkreis Neunkirchen haben im vergangenen Schuljahr fünf weiterführende Schulen Französisch als verpflichtende Eingangsfremdsprache angeboten. Dies sind die GGS Merchweiler, die GGS Wellesweiler, die GGS Spiesen-Elversberg, das Illtal-Gymnasium und das Neunkircher Gymnasium am Steinwald. An den Gemeinschaftsschulen wird die erste Fremdsprache vierstündig unterrichtet, hinzu kommt ein zweistündiger Englisch-Sprachkurs.Die städtische Kindertagesstätte Furpach bindet seit Jahren die französische Sprache in die Arbeit mit den Kindern ein. Eine Erzieherin mit französischer Muttersprache, spricht mit den Kindern beispielsweise beim Essen Französisch. red