Papas Haushalt und Bruce Willis

Es war ein Film mit Bruce Willis, der in Anna Woll den Wunsch hervorrief, Schauspielerin zu werden. In Wien studiert sie nun Schauspiel. Erfahrungen mit einem Oscar-Gewinner hat sie bereits gesammelt.

Das Jugendzimmer von Anna Woll (17) sieht aus wie das von Teenagern weltweit. Über ihrem Bett hängen Poster und Fotos ihrer Lieblingsstars wie Bruce Willis, Ryan Gosling und Quentin Tarantino. In Annas Leben dreht sich, seit sie zehn ist, alles um den Wunsch, Schauspielerin zu werden. "Ich hatte den Film Armageddon gesehen und fand Bruce Willis ziemlich cool", sagt sie, "also habe ich mir überlegt, wie ich ihn kennenlernen könnte. Der Plan: Ich werde Schauspielerin."

Weder ihr Berufswunsch noch ihre Vorliebe für Willis haben sich seitdem geändert. "Ist doch gut, wenn man schon so früh weiß, was man mal werden möchte, oder?", sagt Anna und strahlt.

Ihre Eltern leben getrennt, sie wohnt mit ihrem Vater auf dem Rastpfuhl. "Er hat mich bei meinem Ziel immer unterstützt. Meiner Mutter wäre es lieber gewesen, wenn ich erst einen ordentlichen Beruf erlernt hätte. Ist ja auch verständlich", sagt sie. Mittlerweile aber weiß auch die Mutter, dass es Anna mit ihrem Berufsziel ernst ist.

Sie nimmt Gesangs- und Schauspielunterricht, seit 2010 ist sie im Jugendclub U 21 des Saarländischen Staatstheaters engagiert, stand in den Produktionen "Nichts" und "Ins kalte Wasser" auf der Bühne und absolvierte dort zwei Hospitanzen. "Ich habe soufflierte, Proben begleitete und bei Ton und Technik reingeschnuppert." Für Regisseur und Oscarpreisträger Jochen Alexander Freydank (Spielzeugland) stand sie als Statistin in "Der Bau" neben Stars wie Axel Prahl vor der Kamera. Ihr Lebensmotto sei mit einem Spruch des amerikanischen Autors Joseph Campbell schnell beschrieben: "Folge deinem Glücksgefühl, und das Universum wird dir Türen öffnen, wo vorher nur Wände waren." Annas Glück ist die Bühne: "Wenn das Publikum klatscht, ist das das Größte."

Für Anna hat sich gerade eine neue Tür geöffnet: Seit dem 30. September studiert sie am Konservatorium Wien Schauspiel. Sie ist eine von zehn glücklichen Erstsemestlern, die einen der raren Studienplätze ergattern konnte. Etwa 200 Bewerber wurden abgelehnt. "Ich war dabei, obwohl ich zu dem Zeitpunkt erst 16 war", erzählt sie. Anna ist die jüngste Neustudentin in ihrem Fach. "Zuerst hatte ich mich in Wien beim Max-Reinhardt-Seminar - die Schauspielschule, die Christoph Waltz zwei Jahre besuchte - beworben. Es lief gut. Ich überstand die drei Runden. Am Ende nahmen sie mich nicht, weil ich zu jung war." Zurück in Saarbrücken hakte sie die Schauspielschule erstmal ab. "Vielleicht brauche ich tatsächlich noch ein, zwei Jahre, dachte ich." Doch dann meldet sich Schauspieler Michael Moritz und überzeugt sie, sich am Konservatorium, wo er auch unterrichtet, zu bewerben. "Da hat es dann geklappt."

Wer zu einer Schauspielschule will, muss sich bei vielen bewerben, weiß Anna. Sie hatte Vorsprechen in Berlin, Rostock, Hamburg, Salzburg, München, Potsdam und Wien. Jetzt freut sie sich auf die Zeit in Wien. Nur eines macht ihr Sorgen: "Papa muss jetzt den ganzen Haushalt allein schmeißen. Aber er wird das schon hinkriegen", sagt sie und lacht.