Originelle Eigenheime – bunt, kastenförmig

Einstmals nahmen dort preußische Truppen Quartier – um den westlichsten Vorposten ihres Königreiches zu sichern. Heute steht auf diesem Terrain in St. Arnual ein friedliches, modernes, buntes Wohnviertel, das nirgendwo an preußische Uniformität erinnert.

Wohnen im Quadrat: Zwischen Koßmannstraße und Saargemünderstraße erstreckt sich ein Viertel, in dem die Straßen wie mit dem Lineal gezogen scheinen. Schmale Fußpfade führen zu versteckten lauschigen Plätzen. Platanen säumen das Carreau; alte Steinmauern, Hecken und Palisadenzäune schützen vor neugierigen Blicken. Andere Grundstücke wiederum erlauben ungeniert die Sicht auf gepflegte Gärten, und offenherzige Fensterfronten lassen einen ins Innere der Häuser schauen. Deren Architektur erinnert bisweilen an Legoland: Viele der originellen Eigenheime präsentieren sich bunt, kastig, verwinkelt, mit Dachterrassen und verschachtelten Balkönchen.

Auch Glas- und Holzelemente zeugen von individuellem Gestaltungswillen, der jedoch durch einen qualitätssichernden Bebauungsplan reglementiert wurde: Das Quartier Artilleriekaserne ist ein noch junges Viertel in St. Arnual, das urbanes Wohnen mit den Qualitäten einer Altbausiedlung kombiniert. Es bietet eine gute Verkehrsanbindung, und in Fußnähe findet sich ein vielfältiges Angebot an Geschäften.

Rund 90 neue Wohnungen entstanden auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriekaserne, wobei sich gewachsene Strukturen harmonisch einfügen: Das von der Landeshauptstadt und der GIU (Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung) gemeinsam mit dem Saarbrücker Planungsbüro Wandel-Hoefer-Lorch erarbeitete städtebauliche Konzept integriert den alten Baumbestand des ehemaligen Exerzierplatzes und die Bestandsgebäude aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts.

Die Artilleriekaserne, 1898 als "Preußens westlichste Bastion" gegründet, durchlebte eine wechselhafte Geschichte. Nach 1918 wurde sie vom französischen Militär, dann von der Wehrmacht genutzt, beherbergte ab 1945 französische Truppen und ab 1956 Bundeswehr und Polizei , später auch einen Reitverein.

In den 70er Jahren lagen große Teile brach, ein wesentlicher Teil der historischen Bebauung wurde abgerissen. 2003 ging das Quartier ins Eigentum der GIU über, und nach sieben Jahren konnte das Projekt 2010 mit dem Umbau der ehemaligen Reithalle abgeschlossen werden: In dem denkmalgeschützten Gebäude entstanden schicke Lofts. 2008 wurde das Quartier als Beispiel für innerstädtische Baukultur mit dem Deutschen Bauherrenpreis ausgezeichnet. Mit ihren verkehrsberuhigten Spielstraßen und Grünflächen und der unmittelbaren Nähe zum Kinder- und Jugendtheater Überzwerg ist die Daarler Artilleriekaserne geradezu ideal für kinderreiche junge Familien. Aber auch ältere Bewohner wie Ortrud Gölzer fühlen sich hier wohl. Die 72-jährige Rentnerin bezog im September 2006 ihr neues Eigenheim in der Klara-Marie-Fassbinder-Straße. 250 Euro pro Quadratmeter hat sie für ihr Grundstück bezahlt, das zweistöckige Haus wurde von einem Architekten nach ihren Bedürfnissen entworfen. Sehr wichtig war ihr ein Garten als "verlängertes Wohnzimmer".

Ortrud Gölzer schätzt die gute Infrastruktur, die ruhige Lage und das hervorragende Verhältnis zu ihren Nachbarn: "Wir sind hier in der Reihe alle per du. Und das jährliche Straßenfest ist schon traditionell." Sogar Geige spielen kann sie, ohne jemanden zu stören: "Die Häuser sind alle gut isoliert." Auch Susanne Schu-Göttert mag das moderne Wohnen in dorfähnlicher Umgebung. Seit 2007 ist die 45-jährige Lehrerin mit ihrem Mann und drei Kindern zwischen neun und dreizehn Jahren in der Sophie-Scholl-Straße zuhause: "Wir leben gerne hier und können uns nicht vorstellen, jemals wieder wegzuziehen!"