Oberstufen-Reform bleibt umstritten

Nach der breiten Kritik an der gymnasialen Oberstufe lassen Nachbesserungen weiter auf sich warten. Der Termin für eine Anhörung, die das Bildungsministerium angekündgt hatte, steht noch immer nicht fest.

Eine zu geringe Fächerauswahl, allzu unterschiedliche Anforderungen in den Naturwissenschaften - Schüler , Elternvertretungen und Lehrer fordern unter anderem wegen dieser Punkte eine Reform der Gymnasialen Oberstufe (GOS). Auch Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ) hatte Ende September betont: "Eine Nachsteuerung ist notwendig." Eine breite Anhörung von schulischen Gremien und Verbänden sei vorgesehen. Auf SZ-Nachfrage teilte das Ministerium nun mit, ein Termin stehe noch nicht fest.

Die SPD-Fraktion hat sich bereits mit dem Thema GOS-Reform auseinandergesetzt. Fraktionsintern wurden 19 Verbände und Institutionen der saarländischen Bildungslandschaft angehört. "Die Expertenanhörung infolge der Volksinitiative ‚G 9-jetzt' hat ergeben, dass ein Problem an den saarländischen Gymnasien im Zusammenhang mit dem Thema G 8 die Rahmenbedingungen im gymnasialen Oberstufenbereich sind. Die Kritik richtet sich an die eingeschränkte Fächerwahl: Schülerinnen und Schüler können einzelne Fachrichtungen nicht mehr stark vertiefen", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Gisela Kolb . In Folge soll ein fraktionsinternes Positionspapier erarbeitet werden, das wiederum mit Bildungsexperten diskutiert werden soll. Stehe das endgültige Papier fest, müsse der Koalitionspartner von dem Ergebnis überzeugt werden, so Kolb.

Der Saarländische Philologenverband (SPhV) warnte indes vor einer "übereilten Reform" der Oberstufe. Grundsätzlich habe sich die 2007 im Saarland eingeführte Oberstufenverordnung bewährt. Offen sei man jedoch für Detailverbesserungen. "Viele Lehrkräfte bedauern, dass die fachliche Vertiefung teilweise nicht mehr in dem Umfang erreicht wird, der sinnvoll wäre", sagte der SPhV-Vorsitzende Marcus Hahn. Anlass zur Sorge bereite jedoch, dass die Schüler "selbst bei optimaler Erfüllung aller Lernerwartungen in fachlicher Hinsicht schlechter auf ein Studium bestimmter Fachgebiete vorbereitet sind als die Schüler früherer Jahrgänge". "Ein Grund dafür kann in der ‚Abitur-für-alle-Ideologie' der vergangenen Jahre gesehen werden; mit Sicherheit spielen aber auch die eingeschränkten Wahlmöglichkeiten in der gegenwärtigen Oberstufe eine Rolle", sagte Hahn. Verbesserungsbedarf sieht der SPhV vor allem im organisatorischen Bereich. So stelle die Prüfungsorganisation die Schulen jedes Jahr vor erhebliche Herausforderungen.

Auch die Vereinigung der Oberstudiendirektoren der saarländischen Gymnasien (VOS) hatte Ende letzten Jahres Kritik geübt. So hätten die früheren Leistungskurse einen höheren Anspruch als die heutigen Erweiterungskurse, auch sei es nicht möglich innerhalb einer normalen Stundentafel zwei Fremdsprachen oder zwei Naturwissenschaften zu wählen. Zudem könne ein zweistündiges Fach, für das weniger Aufwand nötig sei, gleichberechtigt wie ein vierstündiges Fach in der mündlichen Abiturprüfung stehen.