Fußballturnier in Saarbrücken : Obdachlose dribbelten um den Pokal

Beim Saarländischen Fußballturnier für Obdachlose an der Saarbrücker Sportschule traten zehn Mannschaften aus ganz Deutschland an.

Die Sonne brannte. Der Schweiß rann. Doch die zehn Mannschaften aus ganz Deutschland kämpften. Sie traten am Mittwoch beim ersten Saarländischen Fußballturnier der Wohnungslosen an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken gegeneinander an.

Die Spieler aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Kaiserslautern und Saarbrücken verbindet nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern auch ihre Lebensgeschichte: Sie alle sind oder waren einmal in ihrem Leben obdachlos. So wie der gebürtige Marpinger Jürgen Ames, der mit 52 Jahren einer der ältesten Teilnehmer ist. Er lebte mehr als ein Jahr lang im Bruder-Konrad-Haus (BKH) in Saarbrücken, einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe des Caritasverbands Saarbrücken und Umgebung. "Ich war länger im Knast und hab' danach nicht direkt eine Wohnung gefunden", sagt er. Er war auf Hilfe angewiesen. Die Einrichtung unterstützte ihn dabei, wieder selbstständig zu werden und "in die Gesellschaft zurückzukehren". Obwohl er mittlerweile eine Wohnung gefunden hat und nicht mehr im BKH wohnt, spielt er noch immer mit den ehemaligen Mitbewohnern zusammen, "weil es einfach Spaß macht".

Mit seinen 20 Jahren ist Enrico Ferdinand aus Wiesbaden über 30 Jahre jünger als Ames, doch auch er kennt das Schicksal, plötzlich ohne Wohnung zu sein. Er geriet aus gesundheitlichen Gründen in diese Situation: "Ich habe viele Rückschläge an einem Tag erlebt. Ich wurde obdachlos, weil ich nicht mehr weiterwusste, und musste auch kurz in Therapie. Danach war ich bei der Diakonie, und dann ging's wieder. Man will so was nicht, aber es passiert einfach." Das Diakonische Werk Wiesbaden ist Träger des Übergangswohnheims Köhlstraße, das sich um wohnungslose Menschen kümmert. Enrico hat mittlerweile eine Wohnung, arbeitet als Maler und Lackierer und macht eine Fortbildung zum Stuckateur. Das Turnier in Saarbrücken ist sein 20. Turnier für Wohnungslose. "Ich hab' schon bei Meisterschaften mitgemacht und war auch beim ‚Homeless World Cup' 2016 in Glasgow, Schottland, aber auch schon in der Schweiz und Polen", sagt er stolz.

Die erste Partie des Turniers zwischen den "Lilienkickern", wie sich die Mannschaft aus Wiesbaden nennt, und dem Team "Bruder-Konrad-Haus" aus Saarbrücken endet 1:2 für die Gäste vom Rhein. Schiedsrichter war Angelo Diliberto aus Dillingen. Er ist ebenfalls ein ehemaliger Wohnungsloser. Er wohnt mittlerweile bei einer Gastfamilie in Alsweiler und ist seit vier Jahren ausgebildeter Schiedsrichter, der nicht nur bei den Wohnungslosen pfeift, sondern auch für den Saarländischen Fußballverband.

Das Turnier für die Wohnungslosen in Saarbrücken hat Bernhard Pinter organisiert, Sozialarbeiter im BKH. "Seit 2009 nehmen wir an Deutschen Meisterschaften teil und haben auch schon vier Nationalspieler gestellt, die bei Weltmeisterschaften unser Haus und das Saarland vertreten haben." Bei der Auswahl zum Nationalspieler zählt allerdings nicht nur das Können der Spieler, sondern auch ihr Verhalten: Fair Play und Teamgeist sind gefragt. Ausgewählt werden die Spieler bei der nächsten Deutschen Meisterschaft der Wohnungslosen Ende Juli in Nürnberg.