Nur nicht dem Massengeschmack folgen

Nichts für Kinder: Hanna Gressnich, Studentin an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, veröffentlicht ihren ersten Comic-Band.

"Eine gute Geschichte zu schreiben heißt, erstmal alles zu vergessen, was man über Geschichten weiß", erklärt Hanna Gressnich und hält ihr Heftchen mit Comics in der Hand. Darin wollte sie, wie sie sagt, alles tun, nur nicht dem Mainstream, dem Massengeschmack, folgen. Jetzt wurde das erste Werk der 27-jährigen Studentin veröffentlicht. "Nichts ist doch schon etwas" lautet der paradoxe Titel ihres Comicbands, der mit drei Farben, wenig Text, ohne kolorierte Flächen auskommt.

Karo, eine unzufriedene Literaturstudentin im 25. Semester, erlebt mit ihrem Mitbewohner Pik, einem philosophierenden Vogel, 37 Abenteuer in alltäglichen Situationen. Eingebettet ist dies in einen größeren Zusammenhang. Was auf den ersten Blick banal erscheint, enthält dabei oftmals einen tieferen Sinn, der dem Leser den Spiegel vorhält.

So handelt eine Geschichte von einer Reise in ein Land, in dem niemand die Sprache der beiden Protagonisten versteht. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Ausdrucksweise rabiater wird, wenn sich zwei Leute ungehört über andere austauschen können.

Im vermeintlichen Nichts des Alltags liegt für Gressnich etwas, über das es sich nachzudenken lohnt. Durch ihre subtilen Botschaften sind die Comics aber kein Stoff für Kinder. Der fünfjährige Sohn eines Freundes der Studentin habe die Figuren zwar unterhaltsam gefunden. "Die zentralen Punkte hat er aber vermutlich nicht verstanden", meint Hanna Gressnich und lacht.

Erfahrungen als Reisende in einem fremden Land hat sie vor ein paar Jahren bei einem Auslandssemester in Südfrankreich selbst gemacht. "Überhaupt steckt viel von mir in den Geschichten", erzählt die 27-jährige Studentin, die nicht wenige Parallelen zu Karo aufweist.

Hannas eigene Reise war für sie Anlass, über ihr Leben nachzudenken. Nach ihrer Rückkehr beschloss sie, ihrer großen Leidenschaft auch beruflich Raum zu geben. Zum Geschichts- und Französischstudium kam das Studium der Kunsterziehung hinzu.

"Ich habe schon in der Grundschule Comics gezeichnet", erklärt die gebürtige Pfälzerin. Aber ohne das Studium, sagt sie, hätte sie nicht den Mut gehabt, eigene Comics zu veröffentlichen. Erst mit Unterstützung durch Jonathan Kunz, ihr Comic-Lehrer an der Hochschule für Bildende Kunst Saar, ist es Hanna Gressnich gelungen, ihre künstlerischen Ideen in die Tat umzusetzen. Er war es auch, der sie darin bestärkt hat, ihre minimalistische, skizzenartige Form des Zeichnens auch in ihrer Veröffentlichung beizubehalten. Erst durch diese so genannten Outlines erwachen die Figuren zum Leben, findet Hanna Gressnich: "Das ist einfach mein Ding".

In einem Comic, so die junge Künstlerin, könne ein Zeichner ebenso viel mitteilen wie ein Autor in einem Buch. "Nur wird der Comic auf zwei Ebenen gelesen", meint sie und erklärt, dass sie genau das am Comic fasziniert. Für sie steht fest, dass der Comicband nicht ihre letzte Veröffentlichung ist.

Beruflich zieht es sie nach dem Studium aber trotzdem in die Schule. "Ich muss ja auch irgendwo meine Inspiration her nehmen."

So eigenwillig wie der Titel ist auch das Innenleben des Comics. Hier ein erster Blick auf das Cover. Foto: Jaja-Verlag. Foto: Jaja-Verlag
Kleine Geschichten aus dem Alltag erzählt Hanna Gressnich in ihrem Comic. Hier ein Teil einer Seite. Foto: Gressnich/Jaja-Verlag. Foto: Gressnich/Jaja-Verlag

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