Nur langsamer Ausbau der Ganztagsschulen im Saarland

Saarbrücken · Fast jeder dritte Schüler besucht eine Ganztagsschule. Doch zwei Drittel der Eltern wünschen sich eine Ganztagsbetreuung für ihr Kind. Das Land will den Kommunen beim Ausbau helfen.

Der Ausbau der Ganztagsschulen im Saarland geht nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung nur schleppend voran. Die Zahl der Plätze konnte im letzten Jahr nur um 2,8 Prozentpunkte gesteigert werden. Gehe es in diesem Tempo weiter, hätte 2020 etwas mehr als jeder zweite Schüler der ersten bis zehnten Klasse die Chance auf einen Ganztagsschulplatz, sagte die Stiftung gestern. Sie fordert einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule.

Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ) sieht das Saarland hingegen in einem Aufholprozess. Besuchten im Schuljahr 2011/2012 18 616 (24,5 Prozent) der Erst- bis Zehntklässler eine Schule in Ganztagsform, werden es zu Beginn des Schuljahres 2014/2015 24 607 (31,3 Prozent) sein.

Die meisten Schüler besuchten freiwillige Ganztagsschulen (fGTS), bei denen eine Nachmittagsbetreuung gebucht werden kann, so die Studie. Nur 6,6 Prozent gingen in gebundene Ganztagsschulen (gGTS) mit Anwesenheitspflicht. Bundesweit liegt dieser Anteil um etwa acht Prozentpunkte höher. Gab es im Schuljahr 2011/2012 sieben gGTS, seien seitdem acht weitere hinzu gekommen, so der Minister. In der Legislaturperiode bis 2017 soll es 25 neue gGTS geben. Ab dem neuen Schuljahr hätten 95 Prozent der Schulen ein Nachmittagsangebot - gebunden oder freiwillig.

Commerçon kündigte ein Investitionsprogramm für voraussichtlich nach den Sommerferien an. Details würden noch abgestimmt. Damit sollen die Kommunen als Schulträger beim Ausbau entlastet werden. Der Saarländische Städte- und Gemeindetag (SSGT) hatte kritisiert, dass die Schulträger für sämtliche Investitionen für die Raumausstattung aufkommen müssen. Zudem müssten die Schulträger zur Hälfte die Kosten für das pädagogische Personal der gGTS finanzieren.

Laut Studie wünschen sich zwei Drittel der Eltern einen Ganztagesplatz für ihr Kind. Mehr Angebote könne es nicht geben, wenn wie geplant Lehrerstellen abgebaut würden, kritisierten die Fraktionen von Grünen und Linken. Das Ziel, bis 2017 25 neue Angebote bereitzustellen, sei "illusorisch", so der Grünen-Fraktionsvize, Klaus Kessler. Die Linken-Abgeordnete Barbara Spaniol sieht den Bund in der Pflicht, die Länder zu unterstützen. Auf die Vorteile der gGTS müssten Eltern verstärkt hingewiesen werden, so der Sprecher der Gesamtlandes elternvertretung, Joachim Klesen: "Für Schüler , die Probleme im Unterricht haben, ist das über den Tag verteilte pädagogische Konzept sinnvoll." Besonders auf dem Land gebe es bei vielen Eltern Vorbehalte. Auch bei den Schulen sei das Interesse sinkend, gGTS werden zu wollen.

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