| 00:00 Uhr

Notfalls haut die Polizei ihn raus

St Ingbert/Saarbrücken. Die Sonne knallt unbarmherzig aufs Autodach. Herrchen will gleich wieder da sein. Deshalb bleibt der Hund im Wagen. An heißen Sommertagen ist das eine Tortur fürs Tier. Eine, die sogar schnell tödlich enden kann. Von SZ-Redakteur Frank Kohler

Der Hund blickt zum Menschen auf. "Keine Angst, Herrchen kommt gleich wieder." Schon fällt die Autotür ins Schloss. Die Fenster bleiben zu. Noch steht der Wagen im Schatten. Aber die Sommersonne lugt schon über die Dächer. Viel Zeit zum Wiederkommen bleibt Herrchen nicht. Für seinen Liebling kann ein Auto zur tödlichen Falle werden. An heißen Tagen greift die Polizei rasch ein, wenn einem in der Hitze gefangenen Hund der Tod droht. "Wir passen unsere Maßnahmen immer der Lage an. In einer solchen Situation nehmen wir uns höchstens noch eine Minute Zeit, um den Halter zu ermitteln und herauszufinden, wie schnell er am Wagen sein kann", sagt ein Sprecher der saarländischen Polizei. "Wenn sich dann nichts tut, befreien wir das Tier, das ja Temperaturen von bis zu 60 Grad ausgesetzt sein kann." Natürlich geht der komplette Einsatz auf Kosten des Autobesitzers. Der muss danach unter Umständen noch für Transport und Unterbringung des Hundes in einer Tierpension berappen. Von den mehreren hundert Euro für eine neue Seitenscheibe ganz zu schweigen.

Dann folgt das juristische Nachspiel: Jedem Hundehalter, der mit seiner Gedankenlosigkeit einen Polizeieinsatz auslöst, droht ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit. Stirbt ein Hund, ein gesetzlich besonders geschütztes Wirbeltier, im heißen Auto unter Qualen, dann ist das sogar eine Straftat.

Tierärzte verstehen sehr gut, warum die Polizei rasch handelt. Denn der Hund kann nicht schwitzen wie ein Mensch. Er hat nur wenige Schweißdrüsen an den Ballen und kann zwar hecheln, doch lässt sich dadurch weniger Wärme abgeben als über die Schweißdrüsen der menschlichen Haut. Deshalb überhitzen Hunde schnell. Es kommt zum Kreislaufversagen, rasch zum Schock und zum Tod.

Expertenrat: "Nehmen Sie Hunde bei hohen Temperaturen nur im Auto mit, falls es absolut notwendig ist - zum Beispiel, wenn sie zum Tierarzt müssen. Parken Sie auf gar keinen Fall in der Sonne. Denken Sie aber auch daran, dass der Sonnenstand sich während Ihrer Abwesenheit ändert und das Wageninnere sich so schnell weiter aufheizt, dass ein Hund sogar verenden kann."

Für die weite Autoreise in den Urlaub gilt: Nehmen Sie auf jeden Fall viel Trinkwasser mit, und packen Sie nasse Handtücher ein, die Sie dem Tier umlegen können. Die Verdunstungskälte verschafft ihm Erleichterung.