„Noch immer wichtig fürs gegenseitige Verständnis“

Drei Städtepartnerschaften hat Neunkirchen. Die SZ hat nachgefragt, wie intensiv sie nach vielen Jahren noch gelebt werden. Heute kommt die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, Ursula Maurer, zu Wort.

Anfang Mai war eine siebenköpfige Neunkircher Gruppe in Mantes-la-Ville, über Pfingsten kommen 18 Mantaiser an die Blies - die älteste und "lebendigste" Städtepartnerschaft Neunkirchens "ist eine solide und stabile Sache", wie Ursula Maurer feststellt. Sie ist seit rund siebeneinhalb Jahren Vorsitzende des "Vereins zur Förderung von Städtepartnerschaften Neunkirchen", kurz Städtepartnerschaftsverein.

Haben sich Beziehungen zwischen einzelnen Städten nicht überlebt angesichts der Tatsache, dass die moderne Kommunikation die Welt zum Dorf gemacht hat? Ein Indiz hierfür scheint zu sein, dass der Neunkircher Partnerschaftsverein in den vergangenen zehn Jahren rund 100 von 220 Mitgliedern verloren hat. Und der jetzige Bestand zu 60 Prozent über 80 Jahre alt ist.

Dessen ungeachtet stellt Ursula Maurer die Bedeutung von Städtepartnerschaften nicht ansatzweise in Frage. Persönliche Kontakte ließen sich eben gerade nicht durch Internet und E-Mails ersetzen. "Wenn wir zusammen sind, zeigt sich, dass es doch nötig ist", sagt sie im Gespräch mit der SZ. Das Verständnis füreinander werde nachhaltig gefördert, man lerne immer wieder neue Seiten kennen.

Auf Mantes-la-Ville gemünzt bilanziert die Partnerschaftsvereins-Vorsitzende, dass zwischen interessierten Bürgern der beiden Städte ein herzlicher privater Umgang herrsche, auch wenn die offiziellen Kontakte auf Verwaltungsebene etwas eingeschlafen seien. "Wir sind dazu da, private Kontakte zu fördern, erinnert Maurer an das Statut des 1983 gegründeten Städtepartnerschaftsvereins. Da war die Jumelage zwischen Neunkirchen und Mantes-la-Ville schon 13 Jahre besiegelt.

Obwohl es in Mantes-la-Ville keinen Partnerschaftsverein gibt - der Kontakt wird im Rathaus koordiniert - seien die Franzosen begeistert bei der Sache, berichtet Maurer. Sogar ein 88-jähriges Gründungsmitglied sei nach wie vor dabei. Auf der einen Seite also die "treuen Alten", auf der anderen Seite mehr Fluktuation und weniger Engagement bei den Jüngeren. Allerdings seien die französischen Jugendlichen interessierter als die "schwer zu bewegenden" deutschen Alterskollegen. Sie gingen mit Sprachhürden unbefangener um.

Eine nach wie vor spezielle Beziehung ist diejenige zu Lübben, die bekanntlich Ende 1986 Schlagzeilen machte als zweite deutsch-deutsche Städtepartnerschaft zu DDR-Zeiten. Die Annahme, nach der Wende habe sich eine innerdeutsche Verbandelung erledigt, hat Ursula Maurer schnell revidiert. Sie habe festgestellt, dass man "unglaublich viel" voneinander lernen kann. Das Leben im Spreewald sei beschaulicher, weniger pompös als bei uns. In Lübben gibt es ebenfalls einen Städtepartnerschaftsverein, doch Treffen auf dieser Ebene seien durch Entfernung und Fahrtkosten limitiert.

Letzteres gilt erst recht für Neunkirchens dritte und jüngste Partnerstadt: Der Vertrag mit dem ostpolnischen Wolsztyn war Ende 2010/Anfang 2011 besiegelt worden. Für den Neunkircher Partnerschaftsverein war die neue Beziehung eher ernüchternd. "Das hat nicht richtig gezündet", merkt Ursula Maurer an. Man sei bei bislang zwei Besuchen mehr oder weniger abgeschottet gewesen, alles sei über den Bürgermeister gelaufen, private Kontakte oder gar Unterbringung seien nicht umsetzbar gewesen.