Noch ein Ehrenbürger, der gegen Nazis kämpfte

Vor 71 Jahren starb Max Braun, ein Kämpfer für die Menschenwürde, in London. Dorthin war er vor den Nazis geflüchtet. Jetzt wurde er zum Ehrenbürger jener Stadt ernannt, in der er sein Leben riskiert hatte.

Es sei "die höchste Auszeichnung, die eine Stadt an verdiente Persönlichkeiten vergeben kann", sagte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Sie meinte damit die Ehrenbürgerwürde, die sie am Mittwoch in einem Festakt an Max Braun verlieh.

Der 1892 geborene Antifaschist, der den Widerstand gegen den Anschluss des Saargebiets an Hitler-Deutschland anführte, sei der 38. Ehrenbürger Saarbrückens - und nach Willi Graf der zweite, dem diese Ehre posthum zuteil wird. Denn Braun starb im Juli 1945 kurz vor seiner Rückkehr aus dem Londoner Exil. Warum die Stadt für die Ehrung nicht den Rathausfestsaal gewählt hatte, sondern die Räume der Stiftung Demokratie Saarland (SDS), fragte sich am Mittwoch mancher still. Neben den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen von SPD , CDU , FDP , Linken und Grünen war vor allem SPD-Prominenz bis hin zu Bundesjustizminister Heiko Maas vertreten und zeigte so: Zu feiern galt es vor allem auch einen der ihren. Es sei zwar eine späte, aber den Verdiensten angemessene Ehrung eines großen Sozialdemokraten, sagte Joachim Heinz, Historiker und Mitglied des Stiftungsrats der SDS, unter großem Applaus in seinem Festvortrag. Darin beschrieb er die Person und Leistungen Brauns, der 1923 auf Beschluss des SPD-Reichstags mit seiner Frau Angela von Neuss nach Saarbrücken gekommen war, um hier die Stelle des Chefredakteurs der SPD-Zeitung Volksstimme anzutreten. Heinz würdigte Braun als "Politiker und Journalisten der deutsch-französischen Verständigung", als "Republikaner", als "Kommunalpolitiker" und "Widerstandskämpfer". Laut Heinz geschah Max Braun und dessen Familie Unrecht, als Saarbrücken in den 50er Jahren die Max-Braun-Straße wieder in Großherzog-Friedrich-Straße zurückbenannte. Heinz glaubt, dass nicht nur die "Heimatfront um Heini Schneider", sondern auch Teile der SPD in Max Braun einen Landesverräter sehen wollten. So zumindest könnte man es sich erklären, warum die SPD , obwohl sie seit 1976 die Oberbürgermeister stellte, 70 Jahre brauchte, bevor sie Braun zum Ehrenbürger machte. Brauns Familie war beim Festakt zahlreich vertreten. Hannelore Braun, die Witwe von Heinz Braun, dem Bruder des Geehrten, und ihre Töchter Juliane und Sabine Braun waren gekommen.

Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (rechts) und Bundesjustizminister Heiko Maas (links) überreichten Urkunden an Max Brauns Großneffen Rudolf Sommer und an die Großnichte Juliane Braun. Foto: Iris Maurer. Foto: Iris Maurer

Rudolf Sommer vertrat die mütterliche Linie. Der Schweizer, Max Brauns Großneffe, nahm die Urkunde im Namen aller entgegen. Von ihm erfuhr man, dass nicht nur Max' Witwe, sondern die ganze Familie in den 50er Jahren - nach der Tilgung des Straßennamens - beschlossen hatte, Max Brauns Urne in Saarbrücken exhumieren zu lassen und dafür in Brauns Geburtsstadt Neuss beerdigen zu lassen. Ein Foto des Grabes hatte der Neusser Bürgermeister Reiner Braun (SPD ) als Geschenk mitgebracht. Er nannte Braun ein Vorbild in der heutigen Zeit, "wo wir auch gegen Rechtspopulisten kämpfen und Europa zerbröselt".