Nicht "sexy", aber dauerhaft schön

Die Deutschen nennen ihn den Deutsch-Französischen Garten, die Franzosen stellen ihre Nation vorne hin und rufen ihn Jardin franco-allemand. Das geht in Ordnung, weil wohl mehr Lothringer dort anzutreffen sind als Saarländer. Der freundliche Herr Karl, der seit 49 Jahren Gastronomie am und im Garten betreibt, schätzt das Verhältnis auf 60:40

Die Deutschen nennen ihn den Deutsch-Französischen Garten, die Franzosen stellen ihre Nation vorne hin und rufen ihn Jardin franco-allemand. Das geht in Ordnung, weil wohl mehr Lothringer dort anzutreffen sind als Saarländer. Der freundliche Herr Karl, der seit 49 Jahren Gastronomie am und im Garten betreibt, schätzt das Verhältnis auf 60:40. Es ist ein wenig traurig, dass die privat betriebenen Attraktionen (Seilbahn, Kleinbahn, Tretbootverleih) den Gästen zu wenig dahermachen und dass der Garten nicht mehr der Renner ist wie in seinen großen Jahrzehnten, den 60ern und 70ern.

Damals lagen die jährlichen Besucherzahlen, trotz Eintrittsgelds, bei über einer halben Million. Seit 1993 kommt man umsonst rein, die Zahl der Gäste wird vage auf 200 000 geschätzt. Damit ist der größte Saarbrücker Park immer noch ein Erholungsgebiet mit überregionaler Bedeutung. Der DFG ist in den Augen einer jungen, modernen Stadtbevölkerung allerdings nicht mehr "sexy", er will auch gar kein Party-Garten wie der Staden sein, sondern hat etwas Museales, Beruhigendes bewahrt.

Begründet war er ja auch als einmalige Gartenausstellung zum Staunen. Da aber alle begeistert waren, wurde aus dem Provisorium ein Dauerzustand. Der DFG steht seit 2001 sogar unter Denkmalschutz. Das hat ihm wieder einen Schub gebracht. Er wird von vielen Menschen neu entdeckt und vom Vandalismus noch relativ verschont.

Volkmar Schulz vom städtischen Gartenamt, ein großer DFG-Freund, hätte am liebsten ein paar 100 000 Euro zur Verfügung, denn an vielen Stellen müsste (wieder) saniert werden. Derzeit wird der Garten am Silberahorn saniert und mit Sommerblumen bestückt. Vorausgegangen war ein Wettbewerb der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) für junge Landschaftsarchitekten.

Der Heidegarten ist so gut wie fertig saniert. Hier waren, zum Entsetzen von Naturschützern, etliche alte Bäume gefällt worden, damit das Heidekraut wieder Licht bekommt. Ansonsten wäre es eingegangen. Die Denkmalschützer, die ja den Charakter des Gartens erhalten wollen, setzten sich aber durch.

Unbefriedigend ist das Erscheinungsbild des DFG am Eingang Metzer Straße. Die Planungen zur Erneuerung des (barrierefreien) Eingangs laufen. Hier ist es der Stadt aber bisher nicht gelungen, das Gelände einer ehemaligen Tankstelle an der Bundesstraße zu erwerben. Es liegt derzeit brach und ist keine Zierde. Alles in allem macht der DFG aber einen sehr ordentlichen, gepflegten Eindruck. An allen Ecken und Enden wird gearbeitet, verschönert, erhalten.

Auf einen Blick

Eine persönliche DFG-Hitparade

1. Die Bäume: An manchen hängen noch Namenstafeln, an den meisten leider nicht mehr. So oder so, der Baumbestand im DFG ist prächtig. Man schnappe sich einen Botaniker und lasse sich Sumpfzypresse, kaukasische Flügelnuss oder japanische Stinkesche zeigen; letztere die einzige in ganz Saarbrücken.

2. Die Mosaikbecken aus Steinzeug von Villeroy & Boch. Fünf kleinere runde in einem Beet nahe am Rosengarten mit Springbrunnen haben Mitarbeiter des Gartenamtes mit viel Herzblut saniert, das große gestaffelte Becken wäre nur mit großem Aufwand herzurichten. Immerhin: Da es undicht und leer ist, sieht man seine Details besonders gut.

3. Die Wasserorgel im Weiher. Schon die vierte in der Geschichte des Gartens und die wohl zuverlässigste. Spielt jede volle Stunde. Kitschig und spießig? Vielleicht. Aber na und?

4. Die Waschbetonlandschaft im Garten am Silberahorn. Waschbeton kann auch schön sein.

5. Der Kiosk von Familie Karl am Eingang Deutschmühlental. Leckere Sachen für wenig Geld und freundliche Leute, die alles über den DFG wissen. wp