Neue Wohnideen für Flüchtlinge

Wie kann man dringend benötigten Wohnraum für Flüchtlinge schaffen? Mit dieser Frage haben sich Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft befasst und originelle neue Wohnkonzepte entwickelt.

 Bei „Train-Community“ von Michelle Mehler, Laura Merz und Stefanie Schroeter werden Zugwaggons zu Wohnquartieren.
Bei „Train-Community“ von Michelle Mehler, Laura Merz und Stefanie Schroeter werden Zugwaggons zu Wohnquartieren.
 „Saarshelve“ von René Dully, Tobias Kniejski, Alexander Trinks und Lea Zissel ist als Baukastensystem angelegt.
„Saarshelve“ von René Dully, Tobias Kniejski, Alexander Trinks und Lea Zissel ist als Baukastensystem angelegt.

Warum sollten Flüchtlinge im Saarland von ihren Wohnungen aus nicht den Ausblick auf die Saar genießen oder im gemütlichen Café vor ihrer Haustür anregende Gespräche mit Studenten führen können? Die Studenten der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) haben im Rahmen der jährlich stattfindenden Projektwoche Modelle entworfen, die das ermöglichen. Am vergangenen Freitag stellten sie ihre ganz praktischen Vorstellungen von gelungener Integration vor.

Für das Projekt "Temporärer Wohnungsbau" suchten die Studenten gezielt nach innerstädtischen Grundstücken, Parkdecks, Bahnhofshallen, Gebäudevorplätzen und schwimmenden Plattformen, die sich für eine vorübergehende Bebauung eignen, und entwickelten für diese Orte Wohn-Ideen. Die Wohnkonzepte tragen Namen wie "Saarshelve", "Swimming Living" oder "Mobile Integration" und sollen nicht nur die Wohnungsnot von Flüchtlingen und Auslandsstudenten beheben, sondern eine generelle Verbesserung des Gesellschaftslebens im innerstädtischen Bereich bewirken.

"Wichtig war dabei nicht nur der eigentliche Wohnraum, sondern auch der Freiraum, der Treffpunkt, Gemeinschaftsleben, alles das, was man braucht, um sich tatsächlich an einem neuen Ort einleben und wohlfühlen zu können", sagte Professorin Eve Hartnack, die mit Professor Heiko Lukas, dem Dekan der Fakultät und Präsidenten der Architektenkammer, das Projekt betreute.

So bietet das Modell "Saar-shelve" an der Saarpromenade nicht nur Raum für Privates, sondern auch Lebensbereiche, die als Orte des Zusammentreffens und gemeinsamer Aktivitäten genutzt werden können. "Saarshelve" ist, wie auch die anderen Projekte, als Baukastensystem angelegt, in welchem die einzelnen Teile austauschbar sind. Die containerartig aufgebauten Wohnmodule sollen bei "Saarshelve" mit dem Frachtschiff über die Saar an- und abtransportiert und über einen Kran verladen werden.

Mobilität, Flexibilität und schnelle Einsatzbereitschaft standen auch bei den anderen Wohnkonzepten im Vordergrund. Bei "Train-Community" am Eurobahnhof etwa werden ausrangierte Zugwaggons zu Wohnquartieren umgestaltet und "Swimming Living" ist als schwimmender Wohnkomplex geplant, der übers Wasser gezogen werden kann.

Professor Lukas sieht in den Projekten konkrete Lösungsvorschläge für die Frage, wie das Wohnraumproblem kurz- und mittelfristig gelöst werden kann. Dabei betonte er die Notwendigkeit, dass für Flüchtlinge menschenwürdiger Wohnraum geschaffen werden müsse. Die Umsetzungskosten seien aufgrund der knappen Zeit, in welcher die Projekte entstanden, noch nicht bekannt, würden aber noch berechnet. Zudem werde die HTW in etwa 14 Tagen Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) über die Ergebnisse ihrer visionären Arbeit informieren, betonte Lukas.