Neue Jugendhilfe soll Eltern Behördenwege erleichtern

Die Bundesregierung will die Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe weiterentwickeln. Alle Leistungen für Kinder – mit und ohne Behinderung – sollen in einem neuen Sozialgesetzbuch verankert werden. Für die Jugendämter wäre dies eine große Umstellung.

Kinder und Jugendliche - mit oder ohne Behinderung - in gleicher Weise zu fördern, ist das Ziel der angestrebten Reform der Kinder- und Jugendhilfe . Dafür will das Bundesfamilienministerium sämtliche Leistungen für junge Menschen im neuen Sozialgesetzbuch (SGB) VIII regeln und dieses inklusiv ausgestalten. Über diese Pläne diskutierten jetzt Experten und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe auf einer Fachtagung der Awo Saarland und des Regionalverbandes Saarbrücken . "Mit der Zusammenführung aller Leistungen unter einem Dach können wir den Verschiebebahnhof und die Laufereien für die Eltern von Amt zu Amt beenden", betonte die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesfamilienministeriums, Elke Ferner (SPD ).

Noch gibt es keinen Gesetzentwurf zum neuen SGB VIII. Dennoch stellten Ferner und ihre Leiterin der Kinder- und Jugendabteilung im Bundesministerium, Bettina Bundszus, auf der Tagung erste Eckpunkte der geplanten Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes vor. Der Anspruch auf Hilfe für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung wurde bisher über die Eingliederungshilfe, eine Leistung der Sozialhilfe - nicht der Jugendhilfe - definiert. Da setzt die Reform an.

Für das Saarland bedeutet das: Die Jugendämter wären für weitere 2500 Kinder und deren Familien zuständig. Im Saarland ist nämlich das Land Träger der Eingliederungshilfe. Träger der Jugendhilfe sind hingegen die Kreise. Diese Reform hätte weitreichende personelle, strukturelle und finanzielle Konsequenzen für die Jugendhilfe .

Ines Reimann-Matheis, Landesgeschäftsführerin der Awo, bewertete eine inklusive Weiterentwicklung des SGB VIII zwar grundlegend als positiv, befürchtete jedoch, dass es eher um Kosteneinsparungen als um die Kinder gehe. Inklusion gebe es nicht zum Nulltarif, so der allgemeine Tenor. Dennoch sei eine Reform des Gesetzes notwendig. Die letzte war im Jahre 1990.

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