Neue Architektur für neue Pädagogik

Schulgebäude seien ein guter Anzeiger für den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung, sagt die Montag-Stiftung. In Illingen hat sie demnach keinen großen Stellenwert: Der dortige Schulleiter fühlt sich wie im Knast.

Über neue pädagogische Konzepte und die damit verbundenen räumlichen Umgestaltungen der Lernorte wurde jetzt im Dudweiler Bürgerhaus diskutiert. Im Anschluss an eine Fachkonferenz sprachen die Neunkircher Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethschneider, Bildungsminister Ulrich Commerçon (beide SPD ), Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ), Karl-Heinz Imhäuser von der Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft sowie Burkard Maurer vom Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband dar-über, wie Schulen so umgestaltet werden können, dass moderne Lernkonzepte und die Inklusion besser umgesetzt werden können. Zunächst zitierte die Moderatorin der Podiumsdiskussion, Christine Alt vom Saarländischen Rundfunk, aus einer Publikation der Montag-Stiftung: "Schulgebäude sind ein guter Seismograph für den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung." Die Diskussionsteilnehmer wurden daraufhin aufgefordert, ihre Einschätzung abzugeben, an welcher Stelle zwischen null und zehn der Bebenanzeiger denn im Saarland stehe. Mit einem Wert von sieben bis acht sah Ulrich Commerçon das Saarland noch recht gut aufgestellt, während Burkard Maurer allerhöchstens drei bis vier Punkte vergeben wollte. Das Positive an saarländischen Schulen sei derzeit, dass jeden Tag Unterricht stattfände, warf der Schulleiter der Gemeinschaftsschule Illingen ironisch in die Runde. Ansonsten komme er sich teilweise vor wie im Knast. Es fehle überdies an einem Masterplan, einer landesweit verbindlichen Richtlinie für Schulbauten. Dieser Aspekt wurde im Laufe der Diskussion von mehreren Seiten eingefordert, auch von Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Sie verwies außerdem auf die dringlichen Themen der energetischen Sanierung von Schulgebäuden, dem Brandschutz und der durch die Inklusion notwendig gewordenen Barrierefreiheit. Während sie als Landrätin davon sprach, dass trotz vorgegebener Investitionsquote noch Gelder dafür übrig seien ("Wir können noch, aber wir können nicht das, was wir für notwendig halten"), zeichnete Klaus Lorig ein düstereres Bild: Die Kommunen seien finanziell stark reglementiert durch die Kommunalaufsicht, da blieben nicht mehr viel Ressourcen. Zudem beklagte Lorig, dass an der Fachkonferenz keine Architekten teilgenommen hätten. Gerade die bessere Vernetzung dieser Berufsgruppe mit Schulleitern wurde von allen Teilnehmern gefordert.