Netz soll Fußball-Lärm dämpfen

Saarbrücken. Sage keiner, Richter würden bloß "am grünen Tisch" entscheiden, also mutmaßlich abseits des "echten Lebens". So hatte sich kürzlich die 5

Saarbrücken. Sage keiner, Richter würden bloß "am grünen Tisch" entscheiden, also mutmaßlich abseits des "echten Lebens". So hatte sich kürzlich die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts des Saarlandes in Saarlouis auf die Saarbrücker Bellevue begeben, um das dort 2009 vom Regionalverband errichtete Kunstrasen-Kleinspielfeld an der Gemeinschaftsschule und seine Benutzer anzusehen. Zu den Aufgaben beim Ortstermin gehörte aber auch, selbst Bälle gegen den Zaun zu schießen und die "Prallgeräusche" zu bewerten. Im Kopf hatten die Juristen dabei immer die Frage: Sind der Betrieb der Anlage und der Krach für die Nachbarn zumutbar?Vorausgegangen war die Klage einer Mieterin, deren Balkon etwa zehn Meter an das Spielfeld reicht und die mit diesem Lärm nicht mehr leben möchte. Nachdem Beschwerden beim Regionalverband nicht den erhofften Erfolg hatten, wandte sie sich über ihren Anwalt an das Gericht und beantragte, die Benutzung des Spielfeldes müsse eingestellt werden oder das Gericht ersatzweise geeignete Maßnahmen für eine "verträgliche Nutzung" anordnen. Vor allem die immer und immer wieder gegen den metallenen Fangzaun gekickten Bälle erzeugten Nerven zermürbende Klänge, wurde vorgetragen.

Die Frau schilderte, dass das Feld übermäßig in Anspruch genommen werde, und zwar auch außerhalb der erlaubten Zeiten. Auch in den Abendstunden sowie an Sonn- und Feiertagen werde hier verbotenerweise Sport getrieben. In der Tat wurde aktenkundig: Obwohl die Benutzung ab 20 Uhr untersagt ist, tummeln sich bis mindestens 22 Uhr Leute auf dem Platz. Wie den Unterlagen der mehrfach an den Ort gerufenen Polizei zu entnehmen war, waren "sogar am Nationalfeiertag" Kicker auf dem Platz. Die Sportler gehen abends durch das Tor, das auch Vereine benutzen, die in der benachbarten Schulhalle trainieren.

"Platz der feinsten Art"

Die Kammer unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten Ulrich André bestätigte die Sicht der Klägerin, wonach hier eine "überbordende Tendenz" herrsche, angefacht unzweifelhaft von einem "Platz der feinsten Art", dessen Bespielen "ein Genuss" sei. Das Gericht konnte auch nachempfinden, dass das "Scheppern der Bälle" auf den Stahlkäfig ("feinste deutsche Ingenieurskunst") als schädlich empfunden werden kann.

Dennoch konnte die Klägerin nur einen Teilerfolg verbuchen. Auf Anregung des Gerichts hat sich der Regionalverband zu einem Vergleich verpflichtet, nämlich den Platz an der Seite zum Haus der Frau zu "entschärfen", das heißt vor den Metallzaun ein Netz zu spannen, das die Ballgeräusche dämpft. Den Regionalverband kostet das nach Worten eines Mitarbeiters 2000 Euro, allerdings muss das Netz immer wieder gewartet werden.

Grundsätzlich wollten die Richter aber nicht an dem Spielfeld rütteln, das ja eine lange Vorgeschichte als Braschenplatz hat. Es liege in einem Gebiet, in dem zwar gewohnt werde, das aber immer schon durch Sport und Schule geprägt worden sei. Es herrsche sozusagen reger Spielbetrieb von Amts wegen, die starke Nutzung sei ja gerade das Ziel - eine ortstypische Vorbelastung, mit der Anwohner sich arrangieren müssten.