| 18:27 Uhr

Nager bleiben nicht gern Singles

Liza Nonninger zeigt das Rattenmädchen Tapsy. Der kleine Nager ist eines von derzeit sehr vielen Kleintieren im Bertha-Bruch-Heim. Es hat auf einen Schlag rund 30 Kleintiere bekommen und noch Unmengen auf der Warteliste. Fotos: Liza Nonninger/Jessica Bröcker
Liza Nonninger zeigt das Rattenmädchen Tapsy. Der kleine Nager ist eines von derzeit sehr vielen Kleintieren im Bertha-Bruch-Heim. Es hat auf einen Schlag rund 30 Kleintiere bekommen und noch Unmengen auf der Warteliste. Fotos: Liza Nonninger/Jessica Bröcker
Saarbrücken. Sie wurden ausgesetzt, schweren Herzens weggegeben oder waren nach dem Tode ihrer Besitzer unversorgt. Im Bertha-Bruch-Tierheim warten sie auf ein neues Zuhause. Wir stellen sie in unserer Serie „Wer will mich?“ vor. Dieses Mal geht es um ein Chinchilla- und ein Ratten-Rudel, die dringend ein neues Kletterparadies suchen. Frank Kohler

Es ist ein verregneter Freitag im April. Der junge Mann braucht Hilfe. Er steht mit einem Pappkarton im kleinen Heimbüro am Folsterweg. Als er den Deckel öffnet, kommen acht Knopfaugen zum Vorschein. Ratatouille, Simba, Cap und Capper betrachten neugierig die fremde Umgebung. Sie werden ein paar Meter weiter im neuen Kleintierhaus des Bertha-Bruch-Heims ein provisorisches Zuhause finden. Denn der Spaziergänger will die Ratten-Jungs auf keinen Fall wieder mitnehmen. Sie gehören ihm nicht. Er hat die von den Vorbesitzern ausgesetzten Kerlchen lediglich gefunden und ins Bertha-Bruch-Tierheim gebracht.



Die vier Fundratten teilen ihr Schicksal mit den Chinchilla-Damen Elke, Katja und Nicole, die seit einem Jahr mit sechs weiteren Artgenossen vergebens auf ein neues Zuhause warten. Tierquäler hatten sie einfach in zwei Kartons gestopft und im Schutz der Dunkelheit vor dem Heim-Tor abgestellt. Diese Feigheit schadet den Opfern vor allem, weil über die Vorgeschichte solcher Fundtiere eben nichts bekannt ist. Nun tun sich die Betreuer im Tierheim beim Vermitteln noch schwerer.>>> Bei Youtube:https://www.youtube.com/watch?v=mQE7U5ostX4

Zumindest eines lässt sich sagen: Ihrer Größe nach kamen die gefundenen Ratten-Jungs vermutlich Anfang des Jahres zur Welt. Sie sind sehr verspielt und neugierig.

Die Chinchilla-Damen zeigen sich eher gemütlich und recht zutraulich. Kleintier-Betreuerin Kathrin Schorr fasst ihre Chinchilla-Beobachtungen so zusammen: "Menschen gegenüber sind unsere Mädels nicht allzu scheu. Sie nehmen gerne auch mal ein Leckerchen aus der Hand und ergreifen nicht gleich die Flucht, wenn man an den Käfig kommt. Anfassen lassen möchten sie sich nicht." Aber echten Nager-Fans geht es gar nicht darum, ein Tier nach Belieben zu knuddeln. Es ist die Harmonie in einem richtig vergesellschafteten Rudel, die Kleintierkennern viel Freude macht. Gerade solche Experten wissen, dass dafür Geduld vonnöten ist.

Auf einen Blick:

Weiteres zu artgerechter Haltung freitags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr, im Heim, Folsterweg 101, Tel. (06 81) 5 35 30. Dann können Sie die Schützlinge kennenlernen. ole
Ratten und Chinchillas sind gesellig

Die Gesellschaft von Artgenossen ist unerlässlich für Ratten und Chinchillas. Doch das Zusammenleben glückt nur, wenn die Besitzer einige Tipps beherzigen. Kathrin Schorr vom Tierheim fasst sie zusammen.

Sowohl Chinchillas als auch Ratten sind Rudeltiere und sollten niemals allein gehalten werden. Chinchillas hält man mindestens paarweise, Ratten zumindest als Dreiergruppe. Dabei ist bei beiden Tierarten eine gleichgeschlechtliche Zusammensetzung der Gruppen ratsam. Kastrierte Rattenböckchen können auch mit Weibchen gehalten werden. Eine Kastration von Chinchillas sollte wegen des hohen Risikos gut überlegt sein.

Bei Chinchillas ist wichtig, dass die Tiere ungefähr im selben Alter sind, damit Schlaf- und Spielgewohnheiten sich ähneln. Es gibt verschiedene Vergesellschaftungsmethoden. Etwa die, das Gehege des Neuankömmlings zehn bis 15 Zentimeter (bei Ratten drei bis vier Zentimeter) neben das der schon heimischen Tiere zu stellen. Dann sieht der Halter, wie die Tiere aufeinander reagieren. Gleichzeitig werden täglich die Sandbäder der Gehege ausgetauscht oder sogar die Gehege gewechselt. Dadurch können sich die Tiere an den Geruch der anderen gewöhnen.

Generell gilt: Lieber den Tieren ein paar Tage mehr Zeit zum Kennenlernen geben, als einen neuen Partner für den gebissenen Liebling suchen zu müssen.Zum Thema:

Die Betreuer vermitteln Tiere zu bereits vorhandenen Hausgenossen erst auf Probe. So können die Tiere sich in Ruhe kennen und lieben lernen. Schließlich sollen sich die Schützlinge im künftigen Zuhause wohlfühlen. Ein Video über Farbratte Tapsy gibt es im Netz. ole

Tierheim sucht Experten für Ratten- und Chinchilla-Rudel:

Namen: Cap, Capper, Simba und Ratatouille
Geschlecht: männlich
Alter: etwa zehn Monate
Im Tierheim: seit 22. April
Besonderheit: gemeinsam zu vermitteln

Name: Katja
Rasse: Chinchilla
Geschlecht: weiblich
Alter: unbekannt

>>> Bei Youtube:https://www.youtube.com/watch?v=mQE7U5ostX4