Nach Demo: Britz redet mit Schwimmvereinen

An den Trainingszeiten für die Vereine im Erlebnisbad Calypso soll sich zumindest nächstes Jahr nichts ändern. Dafür werde sie sich einsetzen, sagte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz am Dienstagabend im Stadtrat. Doch an Einsparungen komme die Stadt langfristig nicht vorbei.

Saarbrücken. Den Streit um die Trainingszeiten für die Schwimmvereine im Erlebnisbad Calypso macht Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) zur Chefsache. Während der vergangenen Stadtratssitzung kündigte sie an, die Gespräche mit den großen Schwimmvereinen im Bezirk Mitte, die an sie geschrieben haben, selbst zu führen. Die Verhandlungen in den vergangenen Wochen hätten keine Lösung gebracht.

Die von der Verwaltung angebotenen Zeiten im Calypso würden die Vereine genauso ablehnen wie die Verlagerung des Trainings in städtische Bäder. Deshalb sei es jetzt wichtig, den Vereinen zumindest für 2013 Planungssicherheit zu geben. Sie habe eine verwaltungsinterne Prüfung veranlasst, wie das gelingen könne, sagte Britz: "Bis zum Monatsende erwarte ich ein Ergebnis. Ich bin optimistisch, das zu schaffen." An diesen Gesprächen in der Verwaltung sollen auch der Eigentümer des Bades, die städtische Gesellschaft KBS, und der Badbetreiber Vivamar teilnehmen. Die Oberbürgermeisterin betonte aber auch, dass die Stadt angesichts der Schulden und des Gutachtens der Wirtschaftsprüfer Rödl&Partner weiter sparen müsse. "Es wird zu Veränderungen kommen." Sie versprach den Vereinen, diese früh in die weiteren Diskussionen auch um das in Auftrag gegebene Bädergutachten einzubinden und die Kommunikation zu verbessern.

Vor und in der Congresshalle trugen viele Mitglieder des Schwimmvereins Malstatt-Burbach, des SV 08 Saarbrücken und der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) symbolisch das Kinderschwimmen mit einem Sarg zu Grabe. Bereits vor den Sommerferien hatten die Schwimmvereine und die DLRG im Stadtrat protestiert. Doch es gebe immer noch keine Lösung, kritisierte Franz-Joseph Schreiner, Vorsitzender des SV Malstatt-Burbach. Er warf dem Sport- und Sicherheitsdezernenten Harald Schindel (Linke) vor, an einer wichtigen Sitzung Ende August gar nicht teilgenommen zu haben.

Die Vereine litten unter "massiven Austritten". Das unterstrich Norbert Kugler, Ehrenpräsident des Schwimmbundes an der Saar. Viele Eltern wüssten nicht, wo ihre Kinder ab 1. Januar 2013 trainierten und kündigten die Verträge. Hintergrund des Streits ist ein neuer Pachtvertrag mit dem Calypso-Betreiber. Dadurch spart die Stadt 300 000 Euro, die Vereine können dort aber nicht mehr so oft trainieren wie bisher.

Peter Strobel (CDU) warf Schindel Arbeitsverweigerung vor, weil er an dem wichtigen Treffen mit den Vereinen in den Ferien nicht teilnahm, sondern den Sportamtsleiter geschickt habe. Der sei aber mit leeren Händen zur Verhandlung gekommen.

Schindel verstehe die Sorgen der Vereine nicht und sei nur an Einsparungen interessiert, kritisierte Strobel. Friedhelm Fiedler (FDP) meinte an die Adresse Schindels: "Uns reut, dass wir Sie damals mitgewählt haben."

Peter Bauer (SPD) sagte zu den Vereinsvertretern: "Die Verhandlungen müssen weitergehen. Ich erwarte eine auch für Sie akzeptable Lösung." Nur einer blieb während der Diskussion ganz still: Dezernent Harald Schindel.