Nach dem Aus für die Kohle, den Stahl retten

Am Montag sind im Saarland rund 20 000 Menschen auf die Straße gegangen, um für eine konkurrenzfähige saarländische Stahl-Industrie zu demonstrieren. Viele Menschen machen sich unter anderem wegen der Billig-Importe aus China und Indien Sorgen um die Zukunft der Stahl-Arbeitsplätze im Saarland. Die bundesweiten Demonstrationen wurden von der IG Metall organisiert.

"Wir haben den Bergbau verloren, jetzt bleibt nur noch Kämpfen für den Erhalt der Stahl-Industrie im Saarland." Das sagt einer der 416 Teilnehmer an einer SZ-Umfrage zum Stahl-Aktionstag. 93 Prozent der Befragten geben an, dass sie von den Demonstrationen , die die Gewerkschaft organisiert hat, gehört oder gelesen haben. Dass die IG Metall mit ihrer Aktion so viel Aufmerksamkeit erzielen konnte, liegt wohl vor allem daran, dass eine sehr große Mehrheit der Saarländerinnen und Saarländer die Stahl-Industrie für unverzichtbar halten. 48 Prozent der Befragten halten die Stahl-Industrie sogar für "lebenswichtig". Für 49 Prozent ist sie "wichtig". Deshalb müsse die Politik alles daransetzen, die Stahl-Industrie zu schützen, fordern viele der Umfrageteilnehmer.

"Hoffentlich reagiert unsere Regierung hier besser, als beim Ausstieg aus der Kohleförderung", schreibt ein Befragter. "Nach dem Aus der Gruben, sollte man wenigsten die Stahl-Industrie erhalten", fordert ein anderer.

Allerdings setzen viele von ihnen keine allzu großen Hoffnungen in die Politikerinnen und Politiker. "Das mit dem Stahl kommt genauso wie mit dem Bergbau", sagt einer und erklärt: "Unfähige werden dieses Problem nämlich nicht lösen." Ein Befragter kommentiert: "Den Politikern ist es letztlich egal. Ihnen ist es wichtig, dass sie ihren Job behalten. Wenn es ernst wird, werden sie unsere Stahlindustrie genau so ,verkaufen' wie den Bergbau." Ein anderer Umfrageteilnehmer befürchtet: "Da werden am Ende wieder die Bedenkenträger und Angsthasen die Nase vorne haben."

Immer wider bringen die Befragten die Europäische Union ins Spiel. Man hoffe, "dass Brüssel wach geworden ist" durch die Demonstrationen in ganz Deutschland. Die EU müsse "Strafzölle" erheben, um die Einfuhr von billigem Stahl zu verhindern.

Aber auch was Hilfe aus Brüssel angeht,. sind viele Befragte skeptisch. "Wie so oft ist Handeln auf europäischer Ebene gefragt. Die gegenwartige Situation der EU lässt Zweifel an einem gemeinsamen Vorgehen beziehungsweise Erfolg aufkommen", formuliert einer der Befragten seine Sorge. Die saarländische und die deutsche Regieren sollten aber den Druck auf die EU erhöhen, schreibt ein Befragter.

Die Aktion sei "ein wichtiges Zeichen" gewesen, die Stahlarbeiter sollen weiter auf die Straße gehen, um ihre und die Interessen des Landes zu vertreten, rät einer der Umfrageteilnehmer. Die Bevölkerung müsse sie dabei unterstützen.

Es gibt aber auch Umfrageteilnehmer, bei denen die Solidarität aufhört, wenn der Stau anfängt. Eine große Demo für den Erhalt von Arbeitsplätzen? "Wenn das jeder macht, ist immer Stau in Saarbrücken", schreibt jemand.

Wer beim SZ-Umfrage-Center mitmachen will, muss sich nur einmalig registrieren. Die Teilnehmer werden mit Punkten belohnt, die in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden können.

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