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„Mutbürger“ fordern Respekt - Menschen demonstrieren in Saarbrücken für eine offene Gesellschaft

„Mutbürger“ fordern Respekt - Menschen demonstrieren in Saarbrücken für eine offene Gesellschaft

Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sich die Menschen mit Respekt begegnen. Das ist die Botschaft der Saarbrücker Bürger, die gestern Abend bei der „Hand in Hand für Vielfalt“-Demo mitmachten.

Nein, betonte Heiner Buchen, der katholische Pastoralreferent, der den interreligiösen Arbeitskreis in Alt-Saarbrücken organisiert, diese Kundgebung sei keine Reaktion auf die Pegida-Demonstrationen in Dresden. Schon Wochen bevor in Sachsen und anderswo in Deutschland Menschen auf die Straße gegangen sind, um gegen eine angebliche "Islamisierung des Abendlandes" zu protestieren, haben Alt-Saarbrücker Organisationen ihre "Hand in Hand für Vielfalt"-Demostration vorbereitet.

Aber, ergänzte Benedikt Welter, Dechant des katholischen Dekanats Saarbrücken , es sei gut, dass nicht nur "Wut- und Angstbürger" auf die Straße gingen, sondern auch "Mutbürger" - also Menschen, "die für etwas sind und nicht sich selbst, sondern andere in den Mittelpunkt stellen".

Eugen Roth , Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds im Saarland und Saar-SPD-Vize, findet den Begriff "Mutbürger" treffend. Man dürfe das Feld nicht denen überlassen, die nicht begriffen haben, dass Zuwanderung wichtig ist. "Menschen aus 70 Nationen arbeiten in saarländischen Betrieben gut zusammen. Sie sorgen für unseren Wohlstand", so Roth. "Wir sind Teil der Gesellschaft, zahlen Steuern und schaffen Arbeitsplätze. Dass in Deutschland Hass gegen den Islam geschürt wird, macht uns Angst", hatte zuvor der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Ismael Yigit gesagt. Es gehe um gegenseitigen Respekt. Darum, voneinander zu lernen.. Die grüne Landtagsfraktion hat gestern die Abschiebepraxis von Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) als "inhuman" kritisiert. "Die hier ankommenden Flüchtlinge befinden sich in einer Notsituation und sind häufig gesundheitlich angeschlagen. Schicken wir diese im Winter in Regionen mit widrigsten klimatischen Bedingungen zurück, setzen wir schlimmstenfalls sogar ihr Leben aufs Spiel", sagte Fraktionsvize Klaus Kessler . Es genüge nicht, hierzulande Wohnraum-Förderprogramme auf den Weg zu bringen. Zu einer humanen Flüchtlingspolitik zähle, dass diejenigen Schutz erführen, die hier keine Aufenthaltserlaubnis erhielten, so Kessler. Bis Ende November seien 269 Menschen abgeschoben worden. 2013 wurden 207 Menschen abgeschoben, 2012 waren es 215 und im Jahr zuvor 149. "Das Saarland hat die höchste Abschiebequote unter allen Bundesländern", sagte der linke Saar-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze.