Musikprofessor hebt schlummerndes Potenzial

Die Hochschule für Musik Saar präsentiert innerhalb der „Musikfestspiele Saar“ an diesem Sonntag, 23. Juni, 20 Uhr, in der Saarbrücker Ludwigskirche Felix Mendelssohn-Bartholdys berühmtes Oratorium „Elias“. Es musizieren Solisten, Großer Chor und Orchester der Hochschule für Musik Saar (HfM) unter der Leitung von HfM-Professor Georg Grün. Im Vorfeld hat Grün unserer Redaktion Fragen zur Aufführung und zu weiteren Großprojekten mit dem HfM-Orchester beantwortet.

Worin liegt der besondere Reiz für eine Musikhochschule an der Aufführung des "Elias"?

Grün: Ein Reiz liegt darin, die vielen solistischen Aufgaben so zu verteilen, dass möglichst viele Studierende die Gelegenheit erhalten, Erfahrungen zu sammeln im Umgang mit Dirigent, Chor und Orchester: Zusammen mit den Gesangslehrern, Korrepetitoren und der Hauptfachklasse Dirigieren arbeiten wir seit Wochen mit den Studierenden die jeweiligen Gesangspartien. Dadurch erhalten die verschiedenen Blickwinkel oder Anforderungen an Gesangstechnik und künstlerische Gestaltung hinreichend Raum, auch zum Ausprobieren. In der Woche vor der Aufführung haben die Solisten dann mehrfach die Gelegenheit, ihre Partien mit dem Orchester auszuprobieren, was so im normalen Konzertleben bei einem Oratorium wie "Elias" schon aus Zeit- und Geldgründen nicht geht…

Der andere Reiz liegt darin, dieses Großwerk gerade mit einem "temporären" Chor ohne große Chorerfahrung aufzuführen: Jedes Semester ändert sich naturbedingt die Besetzung eines Hochschulchores, je nach Lage um bis zu 50 Prozent. Dabei haben nur die wenigsten vorher nennenswerte Chorerfahrung gemacht. Man startet also knapp über "0" in der ersten Probe - eine für höhere künstlerische Ansprüche denkbar ungünstige "Conditio", die kaum einem Dirigenten gefällt. Daher entschließen sich manche Chorleitungsprofessoren ja auch, keine Konzerte mit solchen Ensembles zu veranstalten und reichen diese zu Übungszwecken an ihre Studierenden weiter…

Da aber alle Chormitglieder eines Hochschulchors Musiker sind und auf ihrem Instrument etliches leisten - sonst wären sie sicher nicht aufgenommen worden -, schlummert hier ein hohes künstlerisches Potenzial, das man dann entsprechend in die "Chorsprache" übersetzen muss - das ist die pädagogische Herausforderung schlechthin!

Werden Sie in Zukunft häufiger derartig große Orchesterwerke zusammen mit dem HfM-Orchester aufführen?

Grün: Für Januar 2014 ist zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Detmold ein "Brahms-Requiem-Projekt" geplant: Beide Hochschulchöre werden unter der Leitung der beiden Chorprofessoren zunächst getrennt, dann kompakt zusammen proben und in Saarbrücken und Detmold konzertieren. Am jeweiligen Standort wird das jeweilige Hochschulorchester spielen. Die Solisten werden ebenfalls von beiden Hochschulen kommen.