Musik und Besucher heizen Sportlern ein

Mehr Läufer, weniger Zuschauer, tolle Stimmung: Zum achten Mal haben am Sonntag in St. Wendel Ausdauersportler auf die Marathon- und Halbmarathonstrecke zu ihrem Laufvergnügen gemacht.

Locker-lässig an den Sanitätern vorbei: Die Lebensretter haben nicht viel zu tun und genießen als Zaungäste den Marathon.
Heißes Rennen. Marathonis während ihres Laufs greifen nach Erfrischungsgetränken. Die gibt es an zahlreichen Verpflegungsständen entlang der Strecke. Einige nutzen, wie auf dem zweiten Bild von rechts, die kühle Flüssigkeit auch als Dusche. Fotos: B&K

Es ist Marathon-Sonntag in der Kreisstadt kurz vor zehn Uhr. Der zwölfjährige Luk Aldekamp reißt vor dem Ziel am St. Wendeler Schlossplatz die Arme hoch. Der D-Jugendfußballer der SG Bliesen/Winterbach gewinnt den Kids-Marathon. "Die ganzen Leute haben mir zugejubelt, man war das toll!", schwärmt Nachwuchsläufer Luk. Währenddessen müht sich Papa Andreas Aldekamp (LTF Marpingen) auf der Marathonstrecke.

Zur gleichen Zeit streift SZ-Redakteur Matthias Zimmermann in der Redaktion sein Laufshirt über. Der 43-Jährige meldete sich als Halbmarathon-Starter für den Ottweiler Karnevalsverein So war noch nix 1847. Seine Vorbereitung für die rund 22 Kilometer sind gegen jegliche Trainingslehre genommen gar unkonventionell: Kein Aufwärmen, keine Dehnübungen, nur der Spaziergang zum Start, das war's.

Am Busbahnhof indes ist die Stimmung klasse. Hier befindet sich die Wechselzone der Staffeln. "Das ist hier viel besser als früher an der B 41", berichtet Alexandra Mörsdorf von Quartett der Hochwald-Runners aus Wadern. Sie hat ihre zehn Kilometer bereits hinter sich, ist schon geduscht. "Die Schnellste haben wir für den letzten Abschnitt aufgestellt", informiert Mörsdorf über die Taktik.

Kurz darauf Jubelschreie in der Bahnhofstraße. Marathonsiegerin Michaela Schedler (LAZ Saarbrücken) nimmt die finalen Meter unter ihre Sohlen. "Ich habe lange auf einen Marathon gewartet, der Spaß macht, heute war es so weit", freut sie sich. "Die Mama, mein Bruder Martin Schedler und viele Freunde und Bekannte stehen hier an der Strecke. Und die ist einfach toll."

Mittlerweile ist das Quartett aus Kenia schon umgezogen. Die vier jungen Männer vom humanitären Laufprojekt "run2gether", welches die Stadt St. Wendel unterstützt, haben, wie erwartet, den Sieg unter sich ausgemacht. Die Minuten verrinnen, bis Andreas Aldekamp einläuft. "Papa, Papa ich hab' den Lauf gewonnen", ruft ihm sein Luk zu. Auf den zunächst ausgepumpte Papa Aldekamp, drittbester Saarländer im Marathonlauf, wirkt die Nachricht wie eine Frischzellenkur. Beide umarmen sich.

Nach 15 gelaufenen Kilometern im Halbmarathon ist SZ-Redakteur Zimmermann weiter nah an den Leuten dran. Dann setzt sich in Alsfassen der Vorjahres-Zweite Tobias Linn aus Wustweiler entscheidend ab. Er gewinnt vor dem Schmelzer Christian Quinten. "Hier kommt Matthias Zimmermann von der Rheinischen Post", kündigt Co-Moderator Karl-Heinz "Fips" Wagner den auf Platz drei laufenden SZ-Redakteur mit Blick auf dessen T-Shirt-Aufdruck an. Er stärkt sich mit einem Energiedrink und Schokobrötchen. "Der Erstplatzierte ist 20 Jahre jünger als ich, da kann ich doch nicht mithalten", scherzt Zimmermann und gratuliert dem Sieger.

Wie Wagner übers Mikro motivierend verkündet, sind alle Teilnehmer in St. Wendel Sieger. Acht Feuerwehrleute aus der Kernstadt klatschen sich ab. "Wir sind seit Jahren dabei. Das Beste ist natürlich der Zieleinlauf", sagt Feuerwehrmann Benedikt Lauer.

Was ist außerhalb der City auf Straße und Bürgersteigen los? In Urweiler werden die Starter vom Tribünen-Publikum gefeiert. Bands beschallen die Läuferszene mit Rock und Pop. Heil im Ziel sind alle angekommen. "Wer sich in St. Wendel verläuft, ist selber schuld. Da stimmt von der Beschilderung bis zur Verpflegung alles", bilanziert der für die LG Bernkastel laufende Walter Paulus.

Es ist 15 Uhr: Die Rennen sind gelaufen, im Zelt auf der Mott werden die Sieger belohnt. Die Teilnahmegebühr für den Marathon (42,195 Kilometer) betrug 30 Euro, 15 Euro für die halbe Strecke. "Ich denke, es ist eine gewachsene Veranstaltung, den Athleten fehlt es an nichts", versichert Bürgermeister Klaus Bouillon (CDU). Laut Verwaltungschef sind 1864 Teilnehmer (200 mehr als im Vorjahr),an den Start gegangen, etwa 2500 Zuschauer säumten die Strecke, 400 Helfer waren im Einsatz. > Seiten C 4 und D 3: Weitere Berichte