Musik „mit deutlichem Schrägheitsfaktor“

Die Stilrichtungen sind breit gefächert, viele Künstler werden unverstärkte Instrumente spielen, die Musik wird hin und wieder etwas schräg klingen – und das Ganze soll vor allem junge Leute ansprechen.

Selten gab es so viel Neues zu entdecken bei "Sonntags ans Schloss" wie in der aktuellen Saison, die am vergangenen Wochenende begann. Überwiegend Formationen, die erstmalig bei den eintrittsfreien Freiluftkonzerten im Schlossgarten zu hören sind, hat Programmchef Claude Adam-Brettar vom Kulturforum des Regionalverbandes in diesem Sommer auserkoren.

So auch bei den um 18 Uhr startenden Soireen. Stilistisch breit aufgestellt, wollen sie nicht zuletzt ein jüngeres Publikum ansprechen. Die Soireen-Gäste 2015, so Adam-Brettar, sollen "möglichst akustisch", also mit wenig elektronisch verstärktem Instrumentarium, antreten und "mit deutlichem Schrägheitsfaktor".

Eine äußerst ungewöhnliche Kombination bietet sogleich an diesem Sonntag, 21. Juni, das Duo "Siyou'n'Hell" der deutsch-kamerunischen Sängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum (sie ist zwischen afrikanischen Wurzeln, Gospel, Soul, Jazz und Pop zuhause) und der lebenden Basslegende Helmut Hattler (u.a. Kraan, Tab Two): Durch die Beschränkung auf Stimme und Bass soll ein Maximum an knisternder Intensität erreicht werden.

Als Erneuerer des Schweizer Volksliedes wurden schon die "Kummerbuben" gepriesen: Mit akustischem Instrumentarium zwischen Rumpelrock, Fernwehfolk und Draufgängerpolka navigierend, will das Quintett aus Bern am 28. Juni die großen Gefühle kleiner Leute vertonen. Frankophonen Gypsy-Pop versprechen "Yukazu" für den 5. Juli: Mit ihrer Mixtur aus Chanson, Musette, Klezmer, Gypsy- und Balkan-Grooves möchten die sechs Berliner sanfte Melancholie und pure Lebensfreude verbreiten.

Kurz und bündig "Honig" taufte der Sänger und Songschreiber Stefan Honig aus Düsseldorf seine fünfköpfige Folkpop-Truppe, mit der er auf mehr als 300 Auftritte auch in China, Großbritannien und Polen zurückblicken kann: Am 12. Juli soll es intensive Gefühle ohne Pathos geben.

Seit einem Jahr ist Andreas Kuerschner alias Kuersche, einst als Hannovers umtriebigste Ein-Mann-Band gefeiert, mit Ex-Musikern von Fury in the Slaughterhouse unterwegs: Unter dem zungenbrecherischen Nenner "Kuersche & Members of Fury in the Slaughterhouse" soll am 2. August melancholische und lässige Popmusik erklingen. Zum Saisonabschluss am 30. August jazzen der erfolgreiche Saarbrücker Klezmer-Klarinettist Helmut Eisel und der Mönchengladbacher Joscho Stephan, ein Ausnahmekönner der Gypsy-Gitarre, mit ihrem Quartett: "Gypsy meets the Klezmer" lautet die Devise. Bereits bei "Sonntags ans Schloss" zu erleben waren die Stuttgarter Polka'n'Roller "Hiss" (26. Juli), die Schweizer Songautoren- und Gitarristen-Größe Hank Shizzoe (mit Trio am 16. August) und der westfälische Folkrock-Fünfer "Black Rust" (23. August).

Programm "Sonntags ans Schloss" 21. Juni

Matinee (11 Uhr): Manfred Häder Band & Jessica Born

Kids (15 Uhr): ChausséeTheater aus Schweighofen: "Das Ei"

Soiree (18 Uhr): Duo Siyou'n'Hell

Der Eintritt ist frei.