Müllwiegen gibt Senioren noch viele Rätsel auf

Zu einer Debatte über die Abfallgebühren waren am Montag Vertreter des ZKE im SZ-Ältestenrat zu Gast. Dabei ging es auch um ein Resümee des 2011 eingeführten Restmüll-Wiegens und darum, was denn nun in die gelben Säcke gehört.

Saarbrücken. Ihre Stimme wird lauter, als sie es auf den Punkt bringt. "Ich produziere kaum Müll, bekomme aber trotzdem eine unverhältnismäßig hohe Rechnung. Ich fühle mich auf den Arm genommen", beschwert sich Ulla Karch vom SZ-Ältestenrat. Ihr gegenüber sitzen die Ansprechpartner, Werkleiter Bernd Selzner und Waltraud Kohler vom Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE). Sie standen dem Ältestenrat am Montag Rede und Antwort. Der allgemein größte Kritikpunkt des diesmal 13-köpfigen Gremiums lautete "fehlende Transparenz". So sei nicht klar, was sich geändert hat, seit der ZKE den Abfall wiegt. Das ging am 1. Januar 2011 los. Auch sei nicht klar, was in welche Tonne gehört.Aber der Reihe nach: Zu Beginn zieht Werkleiter Selzner ein Resümee des abgelaufenen Jahres. "Wir haben im Vergleich zum Vorjahr mit insgesamt 40 000 Gewichtstonnen nun 9000 Tonnen Restabfall weniger. Und da die Verbrennung einer Tonne 220 Euro kostet, haben wir fast zwei Millionen Euro eingespart". Doch "wo sind diese 9000 Tonnen?", war die logische Frage des Gremiums. Selzner: "Die Glascontainer sind um 2000 Tonnen voller. Auch die Müllmengen in gelben Säcken, Papiermüll und auf den Wertstoffhöfen Wiesenstraße und Holzbrunnen sind gestiegen." Allerdings sei der "wilde Müll" in öffentlichen Behältern um 100 Tonnen in die Höhe gegangen, was aber in Anbetracht der 80 000 Tonnen Gesamtabfall zu vernachlässigen sei. "Das ist ein Riesenerfolg", sagt Selzner stolz. Auch beim "wilden Abladen" von Müll in die Natur habe sich die Lage nicht verschlimmert.

Auf Ulla Karchs Kritik zur Höhe ihrer Müllrechnung bezog Selzner Stellung: Der ZKE habe ein in der Satzung festgelegtes Durchschnittsgewicht für das Jahr 2012 berechnet. Wenn Karch weniger Müll macht, bekommt sie 2013 Geld zurück.

Für 2011 haben 70 Prozent der ZKE-Kunden Geld zurückbekommen. Für ein Mindestgewicht müsse auf jeden Fall gezahlt werden. "Es errechnet sich aus der Müllmenge, die ein Bürger in einem Jahr im Schnitt produziert", erklärt Selzner. Diese lag 2011 bei 204 Kilo (im Vergleich zu 240 Kilo im Jahr 2010). Ein Drittel der 204 Kilo ist das daraus resultierende Mindestgewicht von 68 Kilo pro Jahr. Sinkt die Durchschnittsmenge in diesem Jahr auf die geplanten 170 Kilo pro Kopf, sinkt die Mindestmenge ebenfalls weiter.

Auch eine weitere Sorge des Gremiums wollten die Gäste des Ältestenrates dämpfen: "Das Wiegesystem an den Müllwagen wird jede Woche von einer neutralen Stelle geeicht. Die Zahlen stimmen."

Dass die Gebühren pro Person seit dem Müllwiegen gestiegen sind, erklärt Selzner so: "Wenn wir die Wiegung nicht eingeführt hätten, hätten wir die Gebühren ohnehin erhöhen müssen. Und zwar in einem größeren Maße, als es jetzt der Fall ist."

Dies liege an den erhöhten Verbrennungsgebühren des Entsorgungsverbandes Saar, der aufgrund der gesunkenen Müllmengen sogar Abfall von außerhalb kaufen müsse.

 Bernd Selzner und Waltraud Kohler standen dem SZ-Ältestenrat um Rüdiger Kaldewey (l.) Rede und Antwort. Foto: iris Maurer
Bernd Selzner und Waltraud Kohler standen dem SZ-Ältestenrat um Rüdiger Kaldewey (l.) Rede und Antwort. Foto: iris Maurer

Was denn nun in die gelben Säcke gehört, wollte Manfred Riehs wissen. Selzner: "In den gelben Sack gehören lediglich Leichtverpackungen, sonstige Kunststoffe wie Gartenstühle gehören in die neuen orangen Wertstofftonnen oder auf den Wertstoffhof." Und der Rest? Alles, was nicht in Glas-, Papier- oder Restmüllbehälter gehört, könne auf die Wertstoffhöfe gebracht werden.