Müllautos dürfen nur vorwärts - in Saarbrücken unmöglich

Müllautos dürfen nur vorwärts - in Saarbrücken unmöglich

Seit mehr als 30 Jahren gibt es eine Vorschrift, die den Müllautos das Rückwärtsfahren verbietet. Das ist nämlich ganz schön gefährlich. Der ZKE tut schon viel, um es zu vermeiden. In den nächsten Monaten testet er eine ganz neue Technik. Die soll für mehr Sicherheit sorgen.

Dürfen Müllautos eigentlich rückwärts fahren? Darüber haben sich viele wahrscheinlich noch nie Gedanken gemacht. Eine Vorschrift verbietet es seit über 30 Jahren. Aber manchmal geht es nicht anders, und die Fahrer müssen doch den Rückwärtsgang einlegen. Alleine in Saarbrücken sei an 180 Stellen das Rückwärtsfahren oft notwendig, teilt der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) mit.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung macht jetzt noch einmal auf das Verbot aufmerksam. "Das Rückwärtsfahren ist eine der gefährlichsten Tätigkeiten", sagt Roland Haist von der Unfallkasse Saarland. Seit über zehn Jahren habe es zwar im Saarland keine Schwerverletzten oder Toten bei Unfällen mit Müllautos gegeben, aber das sei nicht überall so. Im Februar letzten Jahres sei ein 71-jähriger Anwohner in Wuppertal unter die Räder eines rangierenden Müllautos gekommen und gestorben. Dabei sind die Fahrzeuge mittlerweile schon gut ausgestattet: mit Rückfahrkameras, Piepton und orangefarbenem Blinklicht. Und mindestens ein Einweiser muss den Fahrer lotsen. Beim ZKE gebe es regelmäßige Schulungen für die Fahrer, erklärt Pressesprecherin Judith Pirrot. "Wenn es irgendwie möglich ist, vermeiden es unsere Fahrer aber, den Rückwärtsgang einzulegen." Nur funktioniert das eben nicht immer. In Saarbrückens kleinen Seitenstraßen ohne Wendemöglichkeit zum Beispiel. Alternative? Die Tonnen an einem Platz am Anfang der Straße sammeln. Dafür sei aber vor allem in der Innenstadt oft kein Platz, sagt Pirrot. Ein weiteres Problem für die Müllautos des ZKE seien parkende Pkws. In manchen Sackgassen gibt es zwar Wendehämmer. Die seien aber oft zugeparkt. Das mache das Wenden unmöglich. Die ZKE-Mitarbeiter hinterlassen dann Zettel an den Autoscheiben. Und hoffen künftig auf mehr Rücksicht beim Parken. Der ZKE geht noch weiter. In den nächsten Monaten testet er ein Fahrzeug mit einer neuesten Technik. Ultraschallwellen sollen den Raum hinter dem Fahrzeug noch besser überwachen und Hindernisse früh erkennen.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Verbot? Im Sommer trifft sich die Berufsgenossenschaft für Verkehr mit den Vertretern der Branche. Dann könnte sich entscheiden, ob sich etwas ändert.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung fordert, dass die Entsorgungsbetriebe die Stellen angeben, an denen das Rückwärtsfahren unvermeidbar ist. Das sei aber nicht möglich, sagt der Verband kommunaler Unternehmen . Baustellen , Staus, Umleitungen oder zugeparkte Straßen zwingen die Fahrer manchmal ungeplant dazu, den Rückwärtsgang einzulegen. Außerdem sei der Personal- und Papieraufwand zu groß.