Mönche des Mittelalters wären erstaunt

Die Mönche des Mittelalters, die noch in mühevoller Handarbeit Texte vervielfältigten, würden gewaltig staunen, wenn sie diese Meisterleistungen an Schnelligkeit und Präzision miterleben könnten, die Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums im Druckhaus der Saarbrücker Zeitung sahen. Im Rahmen der Aktion „Zeitung macht Schule“ besuchten die Jugendlichen das SZ-Druckhaus und schildern ihre Eindrücke.

Mönche des Mittelalters wären erstaunt
 Die Geschwister Sophie und Max Müller besiegten ihren Schulleiter Jürgen Mathieu im Schach.
Die Geschwister Sophie und Max Müller besiegten ihren Schulleiter Jürgen Mathieu im Schach.

Wir befinden uns im Druckhaus der Saarbrücker Zeitung: Durch die Druckmaschinen rasen die Zeitungsseiten in einer Schnelligkeit, dass einem fast schwindlig wird. Angeblich werden die riesigen Papierrollen mit einer Geschwindigkeit von 45 Kilometer pro Stunde bedruckt. An einem Freitagabend war unsere Führung für uns, 30 Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums, anberaumt. Am schulfreien Samstagmorgen konnten wir uns ja ausschlafen, denn wir kamen erst nach Mitternacht nach Hause. Weil es keine Linienbusverbindung von Homburg zum Industriegebiet in der Untertürkheimer Straße in Saarbrücken gibt, haben wir uns von einem Homburger Busunternehmen dorthin fahren lassen.

Die Betriebsführung übernahm die SZ-Mitarbeiterin Edith Bohl, die uns in der Eingangshalle des Druckzentrums freundlich empfing und uns anhand von Wandplakaten und einer alten Druckmaschine die Entwicklung des Buchdrucks von Gutenberg bis zur Gegenwart veranschaulichte. Anschließend zeigte sie uns einen Film über die Organisation, Planung und Herstellung der Saarbrücker Zeitung. Nach diesen Hintergrundinformationen gingen wir zu den Druckmaschinen und ins Papierrollenlager, um vor Ort den ganzen Herstellungsprozess live mitzuerleben. Die einzelnen Papierrollen sind fast so groß wie wir. Sie lagern im Erdgeschoss und werden von dort direkt in die jeweiligen Druckmaschinen eingespannt.

Wir sahen, wie rasant einzelne Seiten der Zeitung gedruckt wurden, und wunderten uns, dass dieses dünne Papier nie einriss. In einem schallgeschützten Raum, in dem ein Laserdrucker steht, der die jeweiligen Druckplatten bedruckt, konnten einige von uns am Computer vorab die Homburger Rundschau des nächsten Tages sehen. Im zweiten Stock wird dann die Rückseite des langen Papierbandes bedruckt und über mehrere rotierende Walzen in die Falzmaschine geführt, die die Zeitungen schneidet und faltet. Anschließend werden sie an einem langen Fließband mit gelben Klammern aufgehängt und direkt zur Logistik-Abteilung befördert. Dorthin gingen wir dann ebenfalls und warteten auf die ersten fertigen Zeitungen für den nächsten Tag. Die gelben Fließbänder wirkten auf uns wie eine Achterbahn durch die Halle und wir staunten, wie sie Massen von Zeitungen über unsere Köpfe hinweg transportierten. Am interessantesten fand ich die Maschine, in der die Zeitungen aufgeklappt und die Werbung eingelegt wird.

Die Werbung ist für den Verlag sehr wichtig, da er sich auch über sie finanziert. Dann werden die Zeitungen von einer Maschine abgezählt und gewogen, um sie auf ihre Vollständigkeit zu überprüfen.

Anschließend werden sie verpackt und mit einem Zettel versehen, auf dem der Empfänger und der Barcode vermerkt sind. Ein Fließband befördert die Zeitungspakete unter einer Kamera hindurch, die den Barcode registriert und dem richtigen Lieferwagen zuteilt. Mit diesem ausgeklügelten System ist jede Zeitung spätestens um sechs Uhr beim Empfänger.

Am erstaunlichsten finde ich, dass nur 920 Mitarbeiter die tägliche Zeitungsherstellung organisieren und koordinieren und die Maschinen mittlerweile solche Höchstleistungen vollbringen, dass 90 000 Zeitungen pro Stunde fertiggestellt werden können. Auffallend war, dass in jeder Halle des Druckzentrums die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist. "Das dient vor allen Dingen dem vorbeugenden Brandschutz", hat man uns gesagt. Meiner Meinung nach war die abendliche Druckhausbesichtigung mit laufenden Maschinen ein spannendes Erlebnis mit vielen Aha-Effekten - genau so wie es unser Projektlehrer Eberhard Jung versprochen hatte. Als wir wenige Minuten nach Mitternacht zu Hause ankamen, konnten wir stolz die ganz neue Tageszeitung vorzeigen.

Wir besuchen die Klasse 10b des Saarpfalz-Gymnasiums und spielen leidenschaftlich gern Schach. Im vergangenen August lasen wir in der Saarbrücker Zeitung einen Artikel anlässlich der Amtseinführung unseres neuen Schulleiters Jürgen Mathieu, aus dem wir erfuhren, dass er ein aktives Mitglied im Schachverein 1920 Spiesen-Elversberg ist.

Somit lag natürlich die Idee nahe, unseren Schulleiter einmal zu einem Schachduell herauszufordern. Seine 100-Tage-Schonfrist, die einem neuen Amtsinhaber in der Regel zugestanden wird, war inzwischen abgelaufen, so dass wir die Zeit für eine erste Bewährungsprobe gekommen sahen. Unterstützt wurde unser Vorhaben von unserem Deutschlehrer Eberhard Jung, der das Aufeinandertreffen vermittelte und daran großen Gefallen fand. Zu unserer großen Freude ging unser Direktor ohne Zögern auf den Wunsch ein und ein Termin war schnell ausgemacht.

So kam es schließlich im Direktorat zu dem Aufeinandertreffen. Vereinbart waren jeweils zwei Schnellschachpartien mit einer Bedenkzeit von zehn Minuten pro Spieler, so dass Herr Mathieu insgesamt vier Partien zu spielen hatte. In der ersten Partie verlor Max als Herausforderer zuerst einen Bauern, konnte dann aber umgehend durch einen guten taktischen Zug die Partie für sich entscheiden. Die zweite Partie gegen Max endete bereits etwa nach dem zehnten Zug, da Herr Mathieu auf eine Falle in der sizilianischen Eröffnung hereingefallen war. In der dritten Partie, nun gegen Sophie, wurde er erst im späten Mittelspiel Opfer einer taktischen Falle, die die Partie entschied. Die vierte Partie war sehr knapp: Sophie hatte einen Mehrbauern in einem komplizierten Endspiel, Herr Mathieu gewann diesen Bauern zurück und hatte am Ende sogar eine Gewinnchance, die er jedoch nicht nutzte. Schließlich konnte Sophie die Partie doch noch für sich entscheiden, so dass sich am Ende der Schulleiter mit einem 4:0 geschlagen geben musste. Dass Herr Mathieu aber ein guter Verlierer war, zeigte sich darin, dass er die bereitliegenden Verlierer-Gummibärchen sogar noch mit uns teilte.

Das Fest für Leseratten und Bücherwürmer fand wieder im Saalbau statt. Eine Vielzahl von Autoren konnte man bei Lesungen erleben, rund 40 Verlage stellten ihre Veröffentlichungen vor und einige Homburger Bücher waren auch dabei. Die meisten Homburger Eigenproduktionen stammten aus unserem Saarpfalz-Gymnasium, das schon seit Jahren als Kooperationspartner bei der "HomBuch" mitwirkt. Die AG Geschichte präsentierte ihr Buch "Capitolinus und seine Freunde" über die Römersiedlung Schwarzenacker, das dem Wirt der Taberna (Gaststube) gewidmet ist. Er gehört zusammen mit dem Augenarzt Sextus Aiacius Launus, der in seiner Nachbarschaft wohnte, zu den ältesten namentlich nachweisbaren Bewohnern der Region.

Es geht in dem Buch nicht nur um Geschichten aus dem Altertum, sondern auch um die für Homburg so typische rund 2000-jährige Tradition von Bier und Medizin. In ihrer Farbbroschüre "Geschichte auf Briefmarken" zeigt die AG Geschichte anhand von vielen hundert Abbildungen die Entwicklung vom Urknall bis ins Eurozeitalter auf. Die Zeitzeugenbiografie "Alles hat seine Zeit" beschäftigt sich mit dem außergewöhnlichen Lebensweg des inzwischen 88-jährigen Homburger Urgesteins Willi Caster, der im Februar 1945 sogar die Bombennacht bei Dresden überlebt hat.

Ebenfalls vorgestellt wurden die beiden Bücher, für die die AG Geschichte zweimal mit dem Edith-Aron-Preis der Stadt Homburg ausgezeichnet wurde: Auf über 300 Seiten stellt das Buch "Miteinander, nicht gegeneinander!" die Geschichte der Migration und Integration von der Antike bis zur Gegenwart dar. Das Buch ist dem Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch gewidmet. Es gibt dazu noch einen Folgeband, der 2013 zu seinem 100. Geburtstag erschienen ist mit Erinnerungen, Gedichten und Zeichnungen. Eine lebensfrohe Alternative zu diesem düsteren Thema bieten die Bücher "Liebesfreud und Alltagshuddel" sowie "Venus lächelt" mit über 200 Homburger Liebesgedichten. Und natürlich darf die Festschrift "140 Jahre Saarpfalz-Gymnasium (1873 bis 2013)" nicht fehlen.

Der Erfolgsautor Markus Heitz war übrigens auch an unserer Schule und hat uns seinen Thriller "Totenblick" vorgestellt. Die persönliche Begegnung mit Autoren ist ein ganz besonderes Erlebnis.