Mitgliederzuwachs verwundert Linkspartei

60 neue Mitgliedsanträge sind in der heißen Phase des Wahlkampfs bei der Landesgeschäftsstelle der Linkspartei eingegangen. Dort ist klar, von wem die Anträge kommen: Stadtratsmitglied Winfried Jung. Der dementiert. Er wisse auch nichts von 60 Anträgen.

. Winfried Jung, Mitglied der Linke-Stadtratsfraktion, hat nach Angaben von Dennis Bard, kommissarischer Landesgeschäftsführer der Partei, fleißig Mitglieder geworben. 60 Anträge lägen beim Landesvorstand. Er wisse, dass diese von Jung stammen. Martin Sommer, der Geschäftsführer der Stadtratsfraktion, habe die Anträge bei ihm abgegeben, versichert Bard. Sommer bestätigt das. Jung habe bei ihm sogar nachgefragt, ob mit den Anträgen alles in Ordnung sei, berichtet Dennis Bard. Auf SZ-Nachfrage erklärt Jung aber, nicht er, sondern die Antragsteller hätten die Formulare selbst abgegeben. Den Fraktionsgeschäftsführer Sommer erwähnt Jung mit keinem Wort. Die Zahl von 60 Neuanträgen wollte er nicht bestätigen. Er gab nur zu, neue Mitglieder im Zuge des Wahlkampfs zum Beispiel an Infoständen geworben zu haben, nicht aber am Arbeitsplatz. Die massive Mitgliederwerbung weckt Erinnerungen: 2008 waren 220 Bus- und Saarbahnfahrer bei der Linke eingetreten. Der damalige Parteichef Oskar Lafontaine hatte das als großen Erfolg für die Linke verkauft. Winfried Jung, damals Betriebsratschef der Saarbahn GmbH, war daraufhin vorgeworfen worden, massiv Druck auf die Beschäftigten ausgeübt zu haben. Jung ist nach Angaben der Saarbahn GmbH nicht mehr Mitglied des Betriebsrats und hat eine andere Aufgabe im Unternehmen übernommen.

Diesmal nur wenige Busfahrer

Bard gibt zu, dass eine solche Häufung von Mitgliedsanträgen auch in Wahlkampfzeiten ungewöhnlich sei. Es handele sich diesmal aber nur um eine Handvoll Busfahrer. Auch Azubis, Einzelhandelskaufleute und Arbeitslose seien darunter. Nach SZ-Informationen sollen die neuen Mitglieder nur einen Beitrag von 1,50 Euro pro Monat bezahlen. Dies sei der Mindestbeitrag, sagt Bard. Viele zahlten nur diesen Betrag. Damit wolle die Linke zum Beispiel Menschen mit geringem Einkommen entgegenkommen. Nach seinen Angaben prüfe der Landesvorstand die Anträge und könne auch Einspruch einlegen. Dafür müssten aber gute Gründe vorliegen. Die 60 Anträge würden derzeit geprüft. Im Zweifel entscheide ein Schiedsgericht der Partei über einen Antrag.