Mit Zumba für gleiche Rechte protestieren

Zum Inklusionstag trafen sich auf dem Schloßplatz Menschen mit und ohne Behinderung. Die Lebenshilfe veranstaltete zusammen mit Schulen aus dem Landkreis ein Fest im Zeichen des Kennenlernens und Zusammenlebens.

Die Samba-Gruppe der Lebenshilfe. Foto: D. Ames Foto: D. Ames

Um Punkt 13.30 Uhr wummern laute Bassschläge über den Schloßplatz. Füße stampfen und Hüften schwingen. 40 Paar Hände kreisen ihre gefalteten Hände ganz im Stil des indischen Bollywood-Tanzes. Am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung - oder kurz Inklusionstag - organisierte die Lebenshilfe zusammen mit Schulen aus dem Landkreis einen Zumba-Flashmob.

Zumba ist eine Mischung aus Aerobic und Tanz; den Fitness-Trend gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und ist damit auch sehr gut geeignet, die Bewegungsfreude von Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Katja Bonny leitet einen Zumba-Gold-Kurs - so nennt sich die einfachere Variante - in der Bewegungshalle der Lebenshilfe. Menschen mit und ohne Behinderung trainieren dort gemeinsam. "Die anfängliche Ängstlichkeit ist schnell verflogen", sagt Bonny. Sie freue sich über die erkennbaren Fortschritte.

Inklusion ist aktuell ein oft bemühtes Schlagwort. Zukünftig sollen Kinder mit Behinderung normale Regelschulen besuchen können. "Aufeinander zugehen und gemeinsame Erlebnisse schaffen", so beschreibt Julia Biehl, Sozialarbeiterin bei der Lebenshilfe-Beratungsstelle, die Motivation hinter den St. Wendeler Aktionen zum Inklusionstag. Daran beteiligten sich auch die Gesamtschule Nohfelden-Türkismühle, die Baltersweiler Änne-Meier-Schule und die städtische Dr.-Walter-Bruch-Schule. Spontan engagierte sich ein ansässiges Café mit Tischen und Kuchenspenden.

Die Schüler bauten unter anderem einen Hindernislauf für Rollstuhlfahrer. Dort konnten auch Leute, die nicht darauf angewiesen sind, erfahren was es bedeutet auf dieses Hilfsmittel angewiesen zu sein. Um ein Gefühl für körperliche Einschränkungen zu vermitteln, gab es einen Sinnes-Parcours: Dabei sollte man blind Geschmäcker und Gerüche erkennen oder unterschiedlich gefüllte Rasseln richtig zuordnen.

Die Erzieherklasse 11.2 des sozialpflegerischen Berufsbildungszentrums zeigte ein praktisches Beispiel für Inklusion: Sie bereiteten Essen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie Allergikern oder Diabetikern zu. Im Kindergarten sei es wichtig zu erklären, warum einige besondere Mahlzeiten bekommen. "Damit sich keiner benachteiligt fühlt", sagte die angehende Erzieherin Christine Nickes.

Der zeitgleiche Busfahrer-Streik sorgte allerdings für einen Dämpfer: Viele Schüler mussten ihre Teilnahme am Flashmob abblasen, weil sie sonst nicht mehr nach Hause gekommen wären. Lehrer übernahmen daraufhin den Dienst an den Ständen. Abschließend trommelte die Samba-Truppe der Lebenshilfe-Tagesstätte ihre Rhythmen.