„Mit zivilen Opfern nicht einverstanden“

Während des Gaza-Krieges besuchte der Illinger SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Petry mit einer Delegation des Bundestages Israel. Nach den Gesprächen kritisiert er die Taktik der Hamas – aber auch die Angriffe Israels.

Am Flughafen Tel Aviv war Christian Petry dem Gaza-Krieg plötzlich ganz nah. Die Maschine, die den SPD-Bundestagsabgeordneten aus Illingen und vier andere Politiker am Mittwochabend zurück nach Frankfurt bringen sollte, blieb erst einmal am Boden - wegen Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen , wie Petry in einem SZ-Gespräch berichtete. Erst mit einstündiger Verspätung hob das Flugzeug schließlich ab.

Für 24 Stunden hielt sich die Bundestags-Delegation in Israel auf. Sie traf Außenminister Avigdor Lieberman und weitere Vertreter der israelischen Politik. Die Reise sei der schwierige Versuch gewesen, "sich mit einzubringen, um vielleicht ein ganz kleines Mosaiksteinchen für eine friedlichere Entwicklung beizutragen", sagte Petry, der über seinen Sitz im Europa-Ausschuss des Bundestags auf die Teilnehmerliste der Reise kam. Die Politiker hätten mit der Reise auch die Solidarität mit den Opfern beider Seiten ausdrücken wollen.

Bei den Gesprächen habe er festgestellt, dass die Vermittlung des Konflikts in den deutschen Medien die tatsächliche Lage nicht widerspiegelt. Hierzulande entstehe bisweilen der Eindruck, dass die Schuld allein bei Israel liege, sagte Petry. Ihm sei hingegen klar geworden, "wie stark die Hamas Menschen in Kindergärten, Krankenhäusern und Privathäusern als menschliche Schutzschilde für ihre kämpfenden Einheiten und ihre Lager nutzt".

Bei den Gesprächspartnern sei der Wunsch erkennbar gewesen, zu einer Verhandlungslösung zu kommen. "Alle Gesprächspartner haben auch anerkannt, dass durch ihr Handeln auch zivile Opfer zu beklagen sind." Petry sagte: "Wir haben deutlich gemacht, dass wir mit den zivilen Opfern nicht einverstanden sind. Jedes Opfer eines Krieges ist ein Opfer zuviel. Uns wurde erläutert, welche Vorwarnungen Israel vor Angriffen ergreift - Telefonanrufe, SMS, Blindraketen, Aufrufe - und wie die Hamas mit Waffengewalt die Leute trotzdem als menschliche Schutzschilde zurück in die Häuser schickt. Wir haben trotzdem gesagt: Wir könnten uns nicht vorstellen, dass Deutschland einen Angriff starten würde, wenn es auf der anderen Seite menschliche Schutzschilde gibt." Allerdings sei Deutschland auch nicht seit 65 Jahren im Krieg. Als nächstes wolle er Gespräche auf palästinensischer Seite führen, so Petry. Mit seinem Fraktionskollegen Norbert Spinrath werde er sich für September um einen Gesprächstermin bemühen.