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Mit Witz und Geist gegen den Hass

Saarbrücken. 25 Veranstaltungen finden im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ bis zum 27. März im Saarland statt. Zum Auftakt sprachen gestern Journalisten und Politiker über offene Hassbriefe und unterschwellige Ausländerfeindlichkeit. Nora Ernst

"Verpiss dich in deine Heimat, Türke." Immer wieder sieht sich Ekrem Senol, Chefredakteur der Migrations-Zeitschrift "Migazin" mit Hassmails und Anfeindungen konfrontiert. Wie gehen Politik und Medien mit Rassismus um? Was können sie dagegen tun? Darüber diskutierten Senol, Innenminister Klaus Bouillon (CDU ), Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD ) und SZ-Redakteur Martin Rolshausen zum Auftakt der "Internationalen Wochen gegen Rassismus " im Jugendzentrum Försterstraße in Saarbrücken . "Ausländerfeindlichkeit existiert in Deutschland bei bestimmten Gruppen schon lange", ist Gillo überzeugt. Am effektivsten lasse sich das durch den direkten Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern bekämpfen, etwa bei Schüleraustauschen oder Jugendprojekten. Bouillon betonte, dass die Bekämpfung von Ausländerfeindlichkeit nicht allein Sache der Politik sei: "Auch Elternhaus und Schule sind gefragt."

Die Diskussion zeigte Wirkung: Im Anschluss fanden sich einige der Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums und des Deutsch-Französischen Gymnasiums, die als Zuhörer gekommen waren, in Grüppchen zusammen, um über ihre Erfahrungen mit Rassismus zu reden. Dabei waren die Erläuterungen der Journalisten , die von fremdenfeindlichen Facebook-Kommentaren und Hass-Mails gegen ihre Redaktionen berichteten, offenbar näher an ihrer Lebensrealität als die Ausführungen der Politiker. Bouillons Forderung nach einem Wohnungsbauprogramm des Bundes, um Flüchtlinge unterzubringen, mögen berechtigt sein, die Schüler konnten damit aber wenig anfangen.

Die "Internationalen Wochen gegen Rassismus " finden bereits zum siebten Mal im Saarland statt. Bis 27. März laden die DGB Jugend Saar, das Juz, das Café Exodus und das FCS-Fanprojekt Innwurf zu mehr als 25 Veranstaltungen ein.

Ziel ist es, vor allem Jugendliche für Rassismus zu sensibilisieren. Dabei steht Altbewährtes ebenso auf dem Programm wie Neues. So finden erneut Gespräche mit einem Aussteiger der Neonazi-Szene statt. "Die Resonanz darauf war in den vergangenen Jahren groß", sagt Martin Bauer vom Café Exodus. Neu ist unter anderem der Auftritt der "Rebell Comedians ", die am 20. März um 19 Uhr ins Jugendzentrum Försterstraße nach Saarbrücken kommen.

Das gesamte Programm steht unter www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de