„Mit vielen kann man noch reden“

Mit Anhängern von AfD und Pegida ins Gespräch zu kommen, das war die Kernforderung einer Podiumsdiskussion zum Rechtspopulismus in Saarbrücken. Auf dem Podium der Stiftung Demokratie Saarland fehlten Rechtspopulisten allerdings.

AfD, CDU , SPD und die Medien: Sie alle haben bei einer lebhaften Debatte bei der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken ihr Fett wegbekommen. Unter dem Titel "Nur ein Strohfeuer? Wie gefährdet ist unsere Demokratie durch rechtspopulistische oder extreme Parteien?" diskutierten am Mittwochabend die Berliner Dokumentarfilmerin Mo Asumang , der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer und die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) mit Moderator Jürgen Albers (SR) und Bürgern. Einig war man sich darin, künftig mit Menschen mit rechtem Gedankengut reden zu wollen. Aufs Podium hatte der Veranstalter allerdings keinen ihrer Vertreter geladen.

Vorländer, Direktor des Instituts für Politikwissenschaft der TU Dresden, warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft, die er in Dresden bereits erlebe. Er ermutigte zu Gesprächen mit wütenden Bürgern: "Mit vielen kann man noch reden." Gleichzeitig warnte der in Wuppertal geborene Extremismus-Experte vor einer pauschalen Verunglimpfung der Sachsen als Rassisten. Rehlinger zeigte derweil allgemein "Verständnis für Ängste" und Protest, verurteilte aber mehrfach Rechtsextremismus und Gewalt. Bei laut Umfragen elf Prozent Zustimmung für die AfD im Saarland sei man gut beraten, alarmiert zu sein. Kritik einzelner Zuhörer an der Politik von CDU und SPD etwa im Umgang mit der AfD oder bei der sozialen Fürsorge wies sie jedoch weitestgehend zurück. Auf die Forderung eines Zuhörers nach einem Wahlrecht für Migranten ging Rehlinger nicht ein. Ihre Partei werde sich allerdings bemühen, Alltagsprobleme stärker wahrzunehmen. Angst sei dabei "kein guter Berater." Ähnlich formulierte es die Filmemacherin Asumang. Für ihr neuestes Buch "Mo und die Arier" hatte sich Asumang mit Rechtspopulisten und Rassisten zu Gesprächen getroffen und sich zunächst eigenen Ängsten gestellt.

Die Auseinandersetzung mit Rechten solle man nicht der Politik überlassen, forderte sie. "Wir alle müssen die Kraft aufbringen, um ins Gespräch mit denen zu kommen, die wir nicht so mögen." An der Bushaltestelle oder in der Nachbarschaft solle man gezielt mit Menschen reden, deren Meinung man nicht teile, so Asumang. Auch die Medien könnten vieles besser machen. Anstatt einer "Bilderflut Geflüchteter" sollten Journalisten lieber Einzelschicksale darstellen. Wir alle seien schließlich aus Migration entstanden: "Auch die Germanen sind nicht auf Bäumen gewachsen."

Die nächste Podiumsdiskussion trägt den Titel "Rollback in die Vergangenheit? Wie umgehen mit Rechtspopulisten ?". Sie findet statt am Mittwoch, 23. November, 18.30 Uhr, in der Arbeitskammer des Saarlandes.