Mit Puppen die Rabauken packen

Saarbrücken. Schon als Kind fand Barbara Seithe, Puppen sollten möglichst gut beweglich sein, damit man sie tanzen lassen kann. In der Saarbrücker Malschule Tack baute sie ihre erste Marionette. "Mein Clown war ziemlich strack, deshalb wollte ich gleich einen zweiten bauen", erinnert sie sich. Heute ist das Anfertigen und Gestalten von Marionetten ihr Beruf

Saarbrücken. Schon als Kind fand Barbara Seithe, Puppen sollten möglichst gut beweglich sein, damit man sie tanzen lassen kann. In der Saarbrücker Malschule Tack baute sie ihre erste Marionette. "Mein Clown war ziemlich strack, deshalb wollte ich gleich einen zweiten bauen", erinnert sie sich. Heute ist das Anfertigen und Gestalten von Marionetten ihr Beruf. Nach elf Jahren in Hamburg kehrte die Saarbrückerin von Anfang Vierzig jetzt wieder in ihre Heimatstadt zurück.In ihrem Atelier im Nauwieser Kultur- und Werkhof mit dem schönen Namen "Gehstalten" hängen, stehen und liegen nicht nur charaktervolle Marionetten aller Arten: Dickbäuchige grüngesichtige Mönche, greise Fußballspieler, kecke Nordafrikanerinnen und natürlich Prinzessinnen. Seithe baut auch Klappmaulpuppen à la Kermit, Handpuppen, Fingerpuppen, Stabpuppen und Tischtheaterfiguren - und bringt anderen bei, wie das geht. Besonders gern arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen in Gruppen.

An der Saar-Uni hat Seithe ursprünglich Erziehungswissenschaft studiert. Parallel dazu, denn sie konnte von den Puppen nicht lassen, bildete sie sich am Figurentheaterkolleg in Bochum weiter. "Wir lernten da Schauspiel, Bewegungstechniken, Regie, Dramaturgie, Bühnenbild, Licht, Tontechnik und Musik", erzählt sie. Denn im Figurentheater kämen ja alle Theaterdisziplinen zusammen.

Der Liebe wegen zog es Seithe nach ihrem Studium nach Hamburg. Und "um die große, weite Welt zu entdecken". Eine Zeit lang arbeitete Seithe am Fundus-Theater, einer freien Figurentheater-Bühne "mit einem Etat von einer halben Million", als Figuren- und Stückentwicklerin mit.

Danach besann sie sich auf ihre kunstpädagogische Begabung. Mit ihrer mobilen Kunstschule fuhr sie zu Wohnunterkünften von Flüchtlingskindern, um ihnen Figurentheater, Film und bildnerisches Gestalten näher zu bringen. "Beim Puppenspiel merkt man schnell, wo die Probleme sind", sagt sie.

2005 wechselte sie von der "fahrenden Kunstschule" ins eigene Künstleratelier und arbeitete zugleich mit Hamburger Schulklassen an Projekten.

Auch im Saarland ist sie nun zweigleisig aktiv, fertigt im Atelier Puppen im Auftrag von Theatern und Privatleuten, gibt Kurse und geht im Auftrag von Behörden in Schulen. Puppenspiel sei ein "urmenschliches Bedürfnis", mit dem sich gerade schüchterne Kinder, aber auch alle Jungs, sogar Rabauken, "packen" lassen, so ihre Erfahrung.

Was sie wieder ins Saarland zog? "Ich bin ein Waldmensch", sagt Seithe schmunzelnd. Vor allem der Wald habe ihr in der Großstadt gefehlt. Begeistert erkundet sie nun all die "Premiumwanderwege", die es in ihrer Jugend hier noch nicht gab. Aber auch die Freundlichkeit der Saarländer wisse sie nun erst zu schätzen. "Man freut sich einfach, wenn man auf der Straße mal angelächelt wird".

gehstalten.de