Mit Problemfrauen virtuos an die Spitze

Volles Haus beim ersten Poetry Slam im Theater Blauer Hirsch. Sondergast außer Konkurrenz beim unterhaltsamen Dichterwettstreit war Bas Böttcher, der das Publikum mit seiner Wortakrobatik begeisterte.

. Am Anfang war das große Räumen: enger zusammenrücken!, hieß es am Samstag im Theater Blauer Hirsch. Die Zuschauer hockten eng bestuhlt, die Kombattanten durften an Tischen direkt vor der Bühne Platz nehmen. Dazwischen ein eifrig umherwuselnder Hans Beislschmidt, der für diesen ersten Poetry Slam unter dem Label seines Kunstfechter-Verlags erfolgreich getrommelt hatte.

Als Zugpferd mag auch der illustre Bas Böttcher gewirkt haben, den Beislschmidt als Special Guest außer Konkurrenz gewinnen konnte: Der Wortakrobat ist Gewinner der ersten deutschen Poetry Slam Meisterschaft und zählt zu den prominentesten Vertretern seines Fachs. Hier machte er den Auftakt und begeisterte mit seinem ganz speziellen Sprachbeat und den im Hochgeschwindigkeitstempo hervorgestoßenen Konsonantenfolgen - auswendig, versteht sich.

Das traute sich freilich nicht jeder der neun Wettbewerbsteilnehmer, die sich hier mit Lyrik und Prosa auf sehr unterschiedlichem Niveau präsentierten. Jüngste Verbalartistin allein unter Männern war die 13-jährige Joana Weis aus Klarenthal, die mit dem kessen Spruch "So jung und schon Quotenfrau!" und ihren bereits recht souverän vorgetragenen Betrachtungen über Familienfeiern die Lacher auf ihrer Seite hatte. Ältester Slammer war mit 52 Jahren Rolf Suter alias "Lyrenbold" aus dem Badischen, der sich über das erwachsene Publikum freute: "Ihr seid weit über 19. Super, da muss ich manches nicht übersetzen."

In letzter Minute angemeldet hatte sich der Kleinblittersdorfer Ullrich Schäfer, der sich hier auch in Mundart versuchte und wie der Zweibrücker Lutz Krietenbrink am unteren Ende des Applausometers blieb. Dass der Saarbrücker Slam-Großmeister Mark Heydrich hier keinen Stich machte, lag vielleicht daran, dass er auf Nummer sicher ging und Texte vortrug, die den hiesigen Slam-Fans bereits hinlänglich bekannt waren. Dafür punktete ein Exil-Saarländer und holte in der Publikumswertung den verdienten dritten Platz: Markus Berg (45) gefiel mit Witz, Sozialkritik und ausgefeilter Dichtkunst. Mut zur Selbstironie bewies der Karlsruher Thomas Baumgärtner alias "Thon", der über sein schwieriges Verhältnis zu Frauen referierte - ein Thema, das es auch dem 22-jährigen Hunsrücker Jonas Konrad angetan hatte. Verdient eroberte er sich mit seinen virtuos gezimmerten, pointenreichen und schwarzhumorigen Texten den zweiten Platz. Ganz oben auf dem Siegertreppchen landete der erst 21-jährige Philipp Herold aus Heidelberg, der hörbar vom Rap kommt und auf allen Ebenen trumpfte. Die drei Finalisten erhielten je einen Pokal.