Mit Pauken und Pferdchen

"Raus aus der Kiste" wollte Museums-Chef Meinrad Maria Grewenig und nutzte den Geburtstag des Blauen Pferdchens für eine publikumswirksame Aktion in der Innenstadt.

Saarbrücken. Die Ursache für den Stau vor der Stadtgalerie ist ausnahmsweise keiner der Parteistände, die an diesem sonnigen Samstagmorgen wie an einer Perlenschnur aufgereiht die Fußgängerzone verzieren und mit Rosen um Wähler buhlen. Nein, hier läuft die Aktion "100 Jahre Rudolf Bornschein", mit der das Saarlandmuseum seinen 1988 verstorbenen ehemaligen Direktor als "Botschafter der Moderne" ehrt. Ebenfalls seinen 100. Geburtstag feiert in diesem Jahr Franz Marcs Gemälde "Das blaue Pferdchen". Hier steht es exemplarisch nebst anderen während Bornscheins Amtszeit von 1951 bis 1976 für die moderne Galerie erworbenen Bildern als Druck vor der Stadtgalerie und wartet auf Freiwillige: Fotograf Axel Fuhrmann-Kornbrust lichtet Passanten vor ihrem Lieblingsbild ab.Während die Promis Barbara Wackernagel-Jacobs und Klaas Huizing vor Kirchners "Badenden im Raum" Stellung nehmen, verteilen Museumsmitarbeiter Kunst-Postkarten und andere Geschenke. Mittendrin die improvisierenden Percussionisten Bernd Wegener, Martial Frenzel und Franck Hemmerlé sowie Meinrad Maria Grewenig, der als geschäftsführender Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz umherwuselt und emsig Schnappschüsse schießt. Statt Rosen verschenkt er Buttons, die er den Leuten gleich selber resolut an die Büste pinnt und dabei verschwörerisch was von "Frühlingsluft" und "Neustart" raunt.

"Wir müssen raus aus dieser Kiste!", meint Grewenig mit Kopfnicken hin zum Übeltäter, dem bösen vierten Pavillon. Da hat er sich auf zornige Diskussionen vorbereitet und wirkt nun fast ein bisschen enttäuscht, dass partout keiner stänkern kommt. Und dann holt er ihn doch ein, der vierte Pavillon: in Gestalt von Bernd Reutler und Ingrid Blasius, die sich für den Fotografen vor dem blauen Pferdchen aufgebaut haben. Im Juni vergangenen Jahres habe er als Sachverständiger im Kulturausschuss für die FDP-Stadtratsfraktion den Antrag gestellt, den Pavillon nach Bornschein zu benennen, sagt Reutler. Dieser Antrag sei dann angesichts des drohenden Untersuchungsausschusses von der Parteispitze zurückgezogen worden, um den Namen "nicht unnötig zu verheizen". Aber nun fände er es nicht schlecht, wenn der Idee Rechnung getragen würde.

"Wir werden da was tun", verspricht der flugs herbeigeeilte Grewenig. "Ohne Bornschein wären wir ja nicht so mit moderner Kunst versorgt!" Und nicht mit Pavillons - auch eine Innovation des Botschafters der Moderne.