"Mit offenen Augen durch die Welt gehen"

Saarbrücken. Viele Jugendliche träumen davon, ihren eigenen Film zu drehen. Oft bleibt es nur beim Träumen. Nicht so bei Nicolas Schönberger, 17, und Anna Hein, 16. Die beiden haben am Freitagabend im Saarbrücker Kino Achteinhalb ihre ersten großen Filmprojekte präsentiert

Saarbrücken. Viele Jugendliche träumen davon, ihren eigenen Film zu drehen. Oft bleibt es nur beim Träumen. Nicht so bei Nicolas Schönberger, 17, und Anna Hein, 16. Die beiden haben am Freitagabend im Saarbrücker Kino Achteinhalb ihre ersten großen Filmprojekte präsentiert. Sie standen dann den Zuschauern Rede und Antwort, erzählten hier vom Spaß bei der Arbeit, aber auch von auftretenden Problemen wie Zeitdruck und Finanzierung. Und schließlich gaben sie auch Einblicke, wie sie es so weit schafften.

Erste Drehbücher mit elf

Anna begann bereits im frühen Kindesalter: "Ich hab schon mit elf Jahren angefangen, kleine Drehbücher zu schreiben, also Dialoge und erste Ideen. Wirklich in das Geschäft gekommen bin ich aber erst durch die Schauspielerei", erzählt sie. Beim Jugendzentrum in Neunkirchen wollte sie in einem Film mitspielen. Und bekam hier die Chance, ihr eigenes Drehbuch zu verfilmen: "Ohne die Unterstützung des Jugendzentrums und eines erfahrenen Kameramanns wäre mein Film wohl nicht möglich gewesen."

Solche Hilfe brauchte Nicolas zwar nicht. Er schrieb sein Drehbuch zusammen mit seinem Bruder und drei Freunden. Gemeinsam gründeten sie die Produktionsfirma "Muhvieh Länd". Die Ausrüstung für die Dreharbeiten bekam die Gruppe durch private Kontakte. Auch die Darsteller sind hauptsächlich Freunde und Bekannte. Ein positives Arbeitsklima ist Nicolas sehr wichtig. Ebenso, dass alle gut zusammenarbeiten. Wenn einer seiner Freunde eine Idee hat, versuchen alle gemeinsam, diese weiterzuentwickeln: "Die Ideen zu finden ist aber nicht schwer. Man muss einfach nur mit offenen Augen durch die Welt gehen."

In jedem Fall will er sein Publikum aber zum Lachen bringen. "Ich finde, Komödien erzählen auf leichte und sympathische Weise eine Geschichte. Gleichzeitig weiß man direkt, ob es den Leuten gefällt oder nicht", sagt Nicolas.

Unterdessen konzentriert sich Anna bei ihren Drehbüchern eher auf Themen wie Liebe und Freundschaft, aber auch Krimis hat sie im Angebot.

Trotz der unterschiedlichen Art der beiden, Filme zu machen, planen sie bereits zusammenzuarbeiten. In einem sind sie sich auch schon einig: Organisation steht an erster Stelle. "Das kann echt anstrengend sein. Allein für meine vier Drehtage habe ich drei Monate lang fast jeden Tag an der Planung gesessen", erzählt Anna.

Und auch die Musikwahl sollte nicht zu kurz kommen: "Man muss auf jeden Fall darauf achten, dass die Musik zu der jeweiligen Szene passt." Kennen gelernt haben sich Anna und Nicolas beim Créajeune-Festival des Saarländischen Filmbüros. Gemeinsam saßen sie hier in der Jury. Sie sind einer Meinung: Es sollte mehr solcher Fördermöglichkeiten geben. "Für Jugendfilme ist es schwierig, Unterstützung und ein Publikum zu finden", sagt Anna. Und Nicolas ergänzt: "Wenn man schon Talente hat, sollte man diese auch fördern." Talente wie die jungen Filmemacher Anna und Nicolas. Bei denen es sich wirklich lohnt.

Auf einen Blick

Nicolas Schönberger, Schüler aus Siersburg, wurde am 23. Dezember 1992 geboren. Sein Film "Wer braucht schon ein Seepferdchen?" ist 59 Minuten lang (siehe auch Internetadresse).

Anna Hein, Schülerin aus Einöd, wurde am 23. November 1993 geboren. Ihr Film "Venedig und die Liebe" dauert elf Minuten. gu

www.muhviehländ.de

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