Mit mehr als 100 Euro auf Tour

Es hagelte Kritik, als Bildungsminister Commerçon ankündigte, teure Klassenfahrten zu verbieten. Jetzt justiert er nach. Die Kostendeckelung pro Jahr und Schüler wird von 100 auf 120 Euro heraufgesetzt. Und die begleitenden Lehrer bekommen eine etwas höhere Vergütung.

Die Absicht war edel. Im Mai annoncierte Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ), teure Klassenfahrten zu verbieten. Die Schultouren sollten auch keine Vergnügungsreisen sein, sondern einem klaren pädagogischen Zweck dienen. Und der Minister wollte verhindern, dass Kinder von finanziell schlechter gestellten Eltern ausgegrenzt werden. Weil sie nicht mithalten können, wenn ihre Mitschüler nach London oder Paris losziehen. Es sei so weit gegangen, erklärte Commerçon, "dass Eltern ihre Kinder vor Klassenfahrten krankmeldeten". Fliegende Klassenzimmer, die in die Toskana jetten, passen nicht zum Verständnis des Sozialdemokraten.

Dafür gab es durchaus Zustimmung aber eben auch reichlich Kritik . Schüler bangten etwa um ihre lieb gewordenen Skifahrten in Klassenstärke. Und Eltern befürchteten Piefigkeit, weil mit 100 Euro pro Schüler und Schuljahr, so der zum August in Kraft getretene Erlass, höchstens regionale Ziele machbar seien. Zumal Commerçon dann auch noch die "attraktiven Schullandheime" im Saarland pries.

Doch auf die Kritik hat das Bildungsministerium nun reagiert. Gestern wurden die Schulen im Land über den überarbeiteten "Erlass über Bildungs- und Erziehungsarbeit an außerschulischen Lernorten" per Mail informiert, der rückwirkend zum 1. August gilt.

In den Grundzügen allerdings, betont Ministeriumssprecherin Marija Herceg, bleibe der Erlass erhalten, "aber er wurde an die Schulwirklichkeit angepasst." Zu den Kernpunkten zählt, dass jetzt 120 statt nur 100 Euro pro Schüler und Schuljahr ausgegeben werden können. Und die Lehrer , die mit auf Fahrt gehen, erhalten je nach Reiseziel und Dauer eine leicht höhere Vergütung. Wer als Lehrer mit seiner Klasse hier drei Tage im Schullandheim bleibt, bekommt demnach 50 Euro (zuvor 40 Euro ). Beim Fünf-Tages-Tripp nach Paris sind es jetzt 150 Euro , davor 140 Euro . "Insgesamt rechne man mit 300 000 Euro pro Jahr", so die Sprecherin, für diese "Pauschvergütungen". Wie bislang gilt, dass die nun 120 Euro pro Jahr und Schüler "angespart" werden können. Reist also eine Klasse zwei Jahre lang nicht, kann die Tour im dritten Jahr bis zu 360 Euro pro Schüler kosten. Außerdem darf es auch mal bei "entsprechender pädagogischer Begründung" länger als fünf Tage dauern - das war das bisherige Limit. Und die Lehrer erhalten dann auch für diese weiteren Tage eine Vergütung.

Bereits am Dienstag wurden Schulleiter von Gymnasien bei einer Tagung über die Neufassung des Erlasses informiert. Heribert Ohlmann, Direktor am Gymnasium Wendalinum in St. Wendel, sieht darin "einen Schritt in die richtige Richtung." Für die Lehrer sei es wichtig, "dass Lehrfahrten genauso behandelt werden, wie die Dienstreisen anderer Beamter." Sein Kollege Wolfram Peters, Direktor des Homburger Christian von Mannlich-Gymnasium, monierte allerdings die Deckelung auf einen Festbetrag. "Wenn die Dieselpreise von derzeit 1,10 Euro irgendwann auf 1,50 oder 2 Euro steigen, werden auch die Busunternehmen ihre Preise anheben müssen. Dann beginnt die Diskussion aufs Neue", so der Sprecher der Vereinigung der Oberstufendirektoren der Gymnasien im Saarland. Er empfiehlt daher seinem obersten Dienstherrn, doch "dem Augenmaß der handelnden Personen zu vertrauen". Ansonsten bliebe wohl nur ein Erlass mit Inflationsausgleich.