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Mit Holzlatten die Welt erobern

Saarbrücken. Jeweils 10 000 Dachlatten will der Bildhauer Martin Steinert in fünf Großstädten der Welt zu spektakulären Installationen verarbeiten. Zuvor wird jeder einzelne Stab mit den Wünschen und Hoffnungen der Menschen der jeweiligen Länder beschriftet. Auftakt des Projekts ist am 24. Mai in Saarbrücken. Susanne Brenner

Die Vorstellung ist verführerisch: In fünf Metropolen in aller Welt entsteht in öffentlichem Prozess ein Kunstwerk - mal in einem Park, mal in einer Häuserzeile, vielleicht in einer Kirche - und Tausende Menschen verbinden damit ihre Wünsche und Träume. Das Beste: Das Ganze nimmt als Großes im Kleinen seinen Ausgang - in Saarbrücken nämlich.

Der Bildhauer Martin Steinert hat sich das Projekt "Wooden Cloud - Architektur der Wünsche" ausgedacht. In fünf Großstädten sollen aus Tausenden Dachlatten monumentale Installationen entstehen. Und: "Bei der Entstehung der Skulpturen soll die Bevölkerung mitmachen", erklärt der Künstler im SZ-Gespräch. "Wooden Cloud" ist nämlich eine Art weltumspannende Wunsch-Wand, Klagemauer, ein Traum-ort. Auf jedem einzelnen Holzstück, das verbaut wird, steht ein Wunsch oder Gedanke. Und diese Texte sollen von den Menschen kommen, die in den jeweiligen Städten und Ländern leben. So wird aus Steinerts Dachlatten-Monumenten im Idealfall ein weltumspannendes Netz.

Ein weiterer, wichtiger Teil des Projekts: "Zu jeder Stadt wird ein Buch entstehen", sagt Steinert. Der Fotograf André Mailänder ist mit im Boot. Er soll dabei nicht nur die Arbeit und das fertige Werk dokumentieren, "auch jeder Wunsch wird fotografiert". Dazu kommen in jeder Stadt Porträts von Menschen, es werden Gespräche dokumentiert und Erlebnisse geschildert. Parallel gibt es eine Internet-Seite mit täglich erweitertem Tagebuch.

Auf den Weg gebracht wird "Wooden Cloud" in Steinerts Heimatstadt Saarbrücken . In der Nacht zum Pfingstmontag beginnt er in der Johanneskirche mit dem Bau seiner ersten Skulptur. Die wird bereits aus etwa 1200 bis 1500 Holzstäben bestehen, die zuvor von Menschen aus Saarbrücken und Umgebung beschrieben wurden. Um genügend Statements zu bekommen, will Steinert unter anderem in Schulen gehen. Es gibt ab sofort eine Internet-Seite, auf der man seine Wünsche und Gedanken auch anonym äußern kann. Und natürlich soll während des mehrwöchigen Bauprozesses in der Kirche das Publikum weitere Latten mit Wünschen beschriften.

Das Johanneskirchen-Projekt ist eine Art Generalprobe und Visitenkarte. Als erste echte Metropole hat Steinert für "Wooden Cloud" Berlin ausgewählt. Hier ist der Künstler bereits mit mehreren Ansprechpartnern in Kontakt. Angepeilt für den Metropolen-Start ist Herbst 2015. Welche Städte danach kommen, wo die hölzerne Wolke sich einrichten wird, ob in Barcelona, Stockholm oder (Steinerts Traum) New York, das hängt auch davon ab, welche Sponsoren der Künstler für seine Idee begeistern kann. "Ich denke, das Projekt wird mit jeder fertig gestellten Station an Popularität gewinnen". Derzeit ist Steinert mit mehrern Firmen im Gespräch, "aber am schönsten wäre natürlich ein Hauptsponsor".

Martin Steinert lebt in Sulzbach und arbeitet in Saarbrücken im KuBa - Kulturzentrum am Eurobahnhof. Hier in der Nähe seines Ateliers entstand auch 2013 seine erste großformatige Arbeit mit Dachlatten im öffentlichen Raum. Mittlerweile hat er auch überregional viel Erfolg mit seinen filigranen, vergänglichen Skulpturen , die mit der Umgebung und dem Licht spielen. Ein großes Objekt baute Steinert letztes Jahr im Wassergarten der ehemaligen Grube Landsweiler-Reden. Und in der Johanniterkirche in Feldkirch in Österreich begeisterten sich jüngst 20 000 Menschen für seine raumfüllende Holz-Skulptur. Ein Erfolg, der beflügelt und Ideen produziert. Wie die "Architektur der Wünsche" - von Saarbrücken in die Welt.


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Auf einen BlickFür das Projekt "Wooden Cloud" hat das Saarbrücker Social Media Syndikat "Skauz" ein eigenes Online-Konzept erarbeitet, in dem Steinerts Arbeit und die Menschen vernetzt werden. Über die Internetseite www.woodencloud.de und soziale Netzwerke werden die Wünsche der Menschen auch virtuell in die Welt getragen. Der Auftakt von "Wooden Cloud" ist am Pfingstsonntag, 24. Mai, ab 20 Uhr, zur Nacht der Kirchen. Bei diesem Part des Projekts ist zusätzlich der Bildhauer Werner Bärmann mit im Boot, der zu Steinerts Holzstäbe-Installation seine Figuren gesellt. In der langen Kirchennacht wird das Ganze präsentiert, und es beginnt der Bau der Holzskultpur. In den folgenden Wochen wird Martin Steinert in der Kirche arbeiten - wobei man ihm zuschauen und auch einen Stab mit einem Wunsch beschriften kann. Am 19. Juni um 18 Uhr, wird dann in einer Vernissage die fertige Installation aus Martin Steinerts Holzkonstruktion und Werner Bärmanns Figurenszenerie präsentiert. Die Ausstellung ist bis 17. Juli geöffnet.