Mit Engagement zur Festanstellung

Wir zeigen anhand von drei Quierschieder Beispielen, wie Menschen bei der Verwaltung ihren Arbeitsplatz fanden. Darunter eine Bürgerarbeiterin, die es durch viel Engagement in den ersten Arbeitsmarkt schaffte.

Die jungen Neuen: Kübra Musluer und Sebastian Baltes.

Schlank sein ist nicht nur ein Modetrend. In Zeiten leerer Kassen sind auch "schlanke" Verwaltungen voll hipp. So gesehen ist die Gemeinde Quierschied fast schon eine Art Trendsetter.

"Wir beschäftigen derzeit 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kernverwaltung, 38 im Bereich Friedhöfe und 35 bei den Kindertagesstätten", legt Bürgermeisterin Karin Lawall die aktuellen Zahlen vor. Wie sehr die Gemeinde gespart hat, verdeutlicht ein Blick auf die Gesamt-Wochenarbeitszeit. Waren es 2004 noch 4845 Arbeitsstunden, die in der Verwaltung pro Woche angefallen sind, rechnet man 2014 mit noch 4359 Stunden. "Und das obwohl wir seit meiner Amtsübernahme 2008 das Betreuungsangebot in den Kindertagesstätten deutlich erhöht haben", erklärt Karin Lawall einen Anstieg von über 300 Wochenarbeitsstunden in diesem Bereich. Das sind umgerechnet fast acht Vollzeitstellen.

Ein "Totsparen" findet also nicht statt. Die Verwaltung bildet vielmehr auch immer wieder aus und übernimmt die jungen Leute dann auch. Jüngstes Beispiel sind Kübra Musluer und Sebastian Baltes. Die 22-jährige Göttelbornerin Kübra hat sich nach einem Fachoberschul-Praktikum bei der Gemeinde beworben. "Ich habe dann sowohl die Verwaltungs- als auch die Berufsschule besucht und durchlief auch alle Abteilungen im Rathaus", erzählt die Verwaltungsfachangestellte über die dreijährige Ausbildung. Nach bestandener Prüfung arbeitet Kübra Musluer nun in der Finanzabteilung und studiert berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre an der HTW.

Gemeinde-Inspektor darf sich seit seiner Abschlussprüf-ung und Diplomarbeit Sebastian Baltes nennen. Der 22-jährige Quierschieder versieht seinen Dienst derzeit im Hauptamt. "Ich beschäftige mich derzeit hauptsächlich mit der Vor- und Nachbereitung der Ratssitzungen sowie der Vorbereitung der Kommunalwahl", sagt Baltes. Dass der gehobene Dienst in einer Verwaltung für manche wenig "sexy" ist, kann er nicht nachvollziehen: "Die Zukunftsperspektiven sind auch auf Landesebene sehr gut. Ich habe hier in Quierschied einen kurzen Arbeitsweg und geregelte Arbeitszeiten."

Die Gemeinde stellt sich auch ihrer sozialen Verantwortung. "Die Schwerbehindertenquote beträgt eigentlich fünf Prozent", erklärt Birgit Biehl vom Personalrat, "wir haben sie 2013 mit 6,45 Prozent mehr als erfüllt." Und auch über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen generiert die Gemeinde Mitarbeiter. So wie Ute Recktenwald. Sechs Jahre war die gelernte Steuerfachangestellte in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Projekten der Bürgerarbeit, hat sich über herausragendes Engagement nun für eine Festanstellung bei der Gemeinde qualifiziert. "Man muss sich immer voll einbringen. Wer abwartet, was der nächste Tag wohl bringt, hat keine Perspektive", erklärt die 48-Jährige. Erleichtert sei sie gewesen, als sie in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt zurückkehren konnte. Mit dem Seniorenführer hat sie ein erstes Projekt abgeschlossen. Künftig soll sie sich hauptsächlich um das Eventmanagement der Gemeinde bei Veranstaltungen kümmern. "Diesen Maßnahmen wird ja oft nachgesagt, dass sie nichts bringen", sagt Birgit Biehl stolz, "wir können hier den Gegenbeweis antreten."