Mit einem Wisch ist alles weg

SZ-Redakteurin Michèle Hartmann hat jetzt auch ein Smartphone.

Meinung:
Mit einem Wisch ist alles weg

Jetzt bin ich auch im Club der ,,Scheibenwischer". Weil das alte Mobiltelefon endgültig fertig ist. Also doch ein Smartphone. Schon lange vor dem Kauf habe ich mit Begeisterung meinen Mitmenschen über die Schulter geschaut und festgestellt, dass mit jedem Wisch über die Bildschirmscheibe etwas Neues erscheint: lustige Männchen, unlustige Nachrichten, Navigationsgerät, Kompass oder der Wecker. Ach, es sah so leicht aus. Also machte ich mich daran, auf dem neuen Smartphone ein wenig zu wischen und somit auszuprobieren. Der erste Ärger nach dem Einsetzen der Speicherkarte: alle gespeicherten Nummern verschwunden, dafür waren die gelöschten Einträge wieder da. Über solche Kleinigkeiten sollte man großzügig hinwegsehen.

Und nun beherzt an das, was das Telefon zu bieten hat. Das geht nicht lange gut, weil der Benutzer ganz zart wischen muss. Geht man grobmotorisch zu Werke, öffnen sich Fensterchen mit Angeboten, die man nicht will. ,,Oh, Mudda, was haschde dann doo widda geschafft?", fragte der zu Hilfe eilende Nachwuchs und brachte das Innenleben des vermaledeiten Telefons wieder in Ordnung. Das macht er nun fast jeden Abend, weil sich immer neue Problemchen auftun. Mensch, war das schön, als Telefone noch Wählscheiben hatten und Schnüre und keine Wischi-Waschi-Zonen. Altbacken anrufen - das wär' jetzt die Krönung.