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Mit 200 Frauen Kunst machen

Saarbrücken. Das Publikum neigt dazu, Künstler in eine bestimmte Schublade zu stecken und reagiert irritiert, wenn sie es wagen, aus dieser "auszubrechen" Von SZ-Mitarbeiterin Alexandra Raetzer

Saarbrücken. Das Publikum neigt dazu, Künstler in eine bestimmte Schublade zu stecken und reagiert irritiert, wenn sie es wagen, aus dieser "auszubrechen". So ergeht es der Schauspielerin, die man von "ernsten Dramen" her kennt und die plötzlich als Kabarettistin in Erscheinung tritt, dem klassischen Musiker, der gerne auch mal jazzt, aber auch bildenden Künstlern, die sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen, sich in eine scheinbar ganz andere Richtung weiterentwickeln. So wie Brigitte Schwarz, die als freischaffende Künstlerin in Saarbrücken lebt und arbeitet und sich in der Vergangenheit hauptsächlich als Bildhauerin einen Namen gemacht hat, ehe sie vor zwei Jahren mit der Arbeit an drei für sie wegweisenden, ganz andersgearteten Projekten begann. "Ich habe viele Jahre sehr zurückgezogen in der Stille gearbeitet. Mit meinen Projekten 'frauen-netzwerk-kunst', 'Spurensuche weiblich' und 'Rad des Lebens' bin ich nach außen gegangen, beziehe die Besucher meiner Ausstellungen ein, möchte Menschen einen Zugang zur Kunst eröffnen", sagt Schwarz.



Den merkantilen Charakter des "Kunstgeschäfts" empfindet sie zunehmend als seelenlos, sucht stattdessen nach sehr persönlichen Formen, mit und über ihre Kunst zu kommunizieren und dabei auch Aspekte der Heilung und Magie einzubeziehen - etwa über das Zulassen intuitiver Symbolik oder "kleine Rituale" als Einladung zur künstlerischen Mitgestaltung.

So etwa beim Projekt "frauen-netzwerk-kunst", bei dem Besucherinnen der Frauenbibliothek Saarbrücken und des Frauenlandhauses Charlottenberg einen mit Nägeln und Garnrollen vorbereiteten Kreis zu einem Netz-Werk vollendeten. Eine ganz neue Erfahrung - sowohl für Brigitte Schwarz, als auch für die Besucherinnen der Ausstellungen. "Da war zuerst eine ganz große Scheu", berichtet Schwarz. "Doch nachdem die erste Hürde überwunden war, wich sie der Freude, selbst Kunst zu machen. In den Bildern, an denen 200 oder mehr Menschen mitgewirkt haben, steckt eine ungeheure Energie." Die Garnröllchen für einige der Bilder stammten noch von ihrer Großmutter.

Ganz persönliche Bezüge zu ihrer Lebensgeschichte, dem, was von früheren Generationen in ihrem Innersten steckt und sie heute als Frau ausmacht, stecken in ihrem Projekt "Spurensuche weiblich". Aus unterschiedlichsten Materialien wie Postkarten, Fotos, gebrauchter Kartonage, Farben und Papier schuf sie 385 formgleiche "Collagefrauen". "Verschiedene Schichten erzählen von langen Zeitreisen unserer Großmütter und Ahninnen, und dass deren Geschichten immer noch in unseren Zellen zu finden sind", erklärt Brigitte Schwarz.

In einem Netz miteinander verwoben, werden die "Collagefrauen" am 13. Oktober 2013 im Frauenheilehaus-Wennenden bei Blaubeuren zu sehen sein.

Infos im Internet unter:

brigitte-schwarz.com

"Ich habe viele Jahre sehr zurückgezogen in der Stille gearbeitet"

Brigitte Schwarz