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Mister Holmes beehrt Saarbrücken

Bei bedeutenden Anlässen, hier bei einer Filmpremiere, ist Olaf Maurer von der deutschsprachigen Sektion der Sherlock-Holmes-Gesellschaft gekleidet wie der große Detektiv. Archivfoto: Oliver Dietze
Bei bedeutenden Anlässen, hier bei einer Filmpremiere, ist Olaf Maurer von der deutschsprachigen Sektion der Sherlock-Holmes-Gesellschaft gekleidet wie der große Detektiv. Archivfoto: Oliver Dietze
Saarbrücken. Wer am Samstagnachmittag am Schloss vorbeikam, rieb sich wohl verwundert die Augen wegen der elf Frauen und Männer, die dort zu "gepflegter Konversation" versammelt waren. Gekleidet im Stil des viktorianischen Zeitalters, steuerte die außergewöhnliche Gruppe zielsicher das Historische Museum an Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Grim

Saarbrücken. Wer am Samstagnachmittag am Schloss vorbeikam, rieb sich wohl verwundert die Augen wegen der elf Frauen und Männer, die dort zu "gepflegter Konversation" versammelt waren. Gekleidet im Stil des viktorianischen Zeitalters, steuerte die außergewöhnliche Gruppe zielsicher das Historische Museum an. Mit der Führung durch die Saargeschichte begann eine zweitägige - etwas verspätete - Geburtstagsfeier. Seinen 125. Ehrentag feierte der Jubilar bereits 2012: 1887 ließ der britische Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle den Meisterdetektiv Sherlock Holmes im Roman "Eine Studie in Scharlachrot" (A Study in Scarlet) sein erstes Abenteuer erleben. Geboren wurde Sherlock Holmes, behaupten Holmes-Forscher, am 6. Januar 1854. "Mit Saarbrücken hat Holmes natürlich nicht direkt etwas zu tun", erklärt Olaf Maurer von der deutschsprachigen Sektion der nahezu weltumfassenden Sherlock-Holmes-Gesellschaft.



Die hatte die Geburtstagsfeier in Saarbrücken organisiert. "Diesmal verfolgen wir im Museum aber keine heiße Spur", sagt Maurer schmunzelnd, "doch da die Romane genau in jener Zeit spielen, die auch in der Ausstellung behandelt wird, passt das natürlich schon." Bei solchen Sherlockianer-Treffen schlüpft Maurer selbst meist in die Rolle des Detektivs und tauscht die Alltagskleidung gegen das typische Holmes-Outfit mit Deerstalker-Mütze, Pfeife und Lupe. "Das gehört einfach dazu."

Zum Ausflug in die Historie gehörte eine Führung durch die Saarbrücker Kasematten, ehe es - nach einem Abendessen - in die Baker Street ging. Allerdings nicht ins Haus 221b, wo Holmes mit Dr. Watson lebte. Vielmehr war es das Haus 8 in der Mainzer Straße, wo ein Pub samt Tearoom im britisch-viktorianischen Stil den Sherlockianern, wie sich die Anhänger der Kunstfigur bezeichnen, das passende Ambiente bot.

Auf die mit besten britischen Spezialitäten verwöhnten Gaumen wartete dort zunächst das sogenannte Sherlock-Holmes Pub-Quiz. Anschließend gab es "Worst Holmes-Movies ever", DVDs mit den wohl schlechtesten Holmes-Filmen. Zur Belustigung der Teilnehmer war sogar eine chinesische Produktion von 1994 zu sehen: "Sherlock Holmes and the Chinese Heroine". "Das war aber noch nicht der schlechteste Film. Obwohl wir wirklich kein Wort verstanden haben. Außer Holmes und seinem Gegenspieler Moriarty wurden alle Charaktere von Asiaten gespielt, das war echt witzig", sagt Maurer. Schließlich ging der Abend am knisternden Kaminfeuer zu Ende.

Der darauffolgende Morgen begann mit einem britischen Frühstück. "Dabei haben wir uns noch bisschen unterhalten und Adressen ausgetauscht", erzählt Maurer. Ihn erstaunt immer wieder, dass sich so viele Frauen für Holmes begeistern. Sie waren beim Treffen in der Mehrheit. "Die Figur des Sherlock wirkt unnahbar, kühl, rational. Vielleicht strahlt das eine gewisse Faszination aus", sagt Maurer. Wie jemand zum Holmesianer wird, sei völlig unterschiedlich. Manchen faszinierten die Abenteuer, manchen die Person Holmes. Wieder andere das spätviktorianische Zeitalter. "Bei mir war es die Kriminaltechnik", sagt Maurer. "Als Jugendlicher war ich begeistert von Spurenanalyse und Entwicklung der Kriminaltechnik in Deutschland. Als ich mit Holmes erstmals in Berührung kam, stellte ich fest, dass er genau diese Kriminaltechniken erfunden hatte." Die britische Spürnase ist eben für ihn weit mehr als eine Romanfigur. "Wir leben und erleben Sherlock Holmes."

Bei bedeutenden Anlässen, hier bei einer Filmpremiere, ist Olaf Maurer von der deutschsprachigen Sektion der Sherlock-Holmes-Gesellschaft gekleidet wie der große Detektiv. Archivfoto: Oliver Dietze
Bei bedeutenden Anlässen, hier bei einer Filmpremiere, ist Olaf Maurer von der deutschsprachigen Sektion der Sherlock-Holmes-Gesellschaft gekleidet wie der große Detektiv. Archivfoto: Oliver Dietze