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Ministerpräsidentin will Ärztenachwuchs im Land halten

Saarbrücken. Zum Neujahrsempfang der Ärzteschaft erschien erstmals auch die Ministerpräsidentin. Sie machte Vorschläge, wie künftig junge Ärzte im Land gehalten werden können. Für einen Studienplatz sollen nicht mehr nur die Noten zählen. Udo Lorenz

Trotz gelegentlicher Klagen über zu lange Wartezeiten in Arztpraxen und auf Termine oder überbelegte Krankenhauszimmer: Die medizinische Versorgung saarländischer Patienten und der ins Land kommenden Flüchtlinge ist besser als in nahezu allen anderen Bundesländern. Darüber waren sich Ärzte , Politiker, Krankenkassenvertreter und andere führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Gesellschaft beim Neujahrsempfang der Saar-Ärzteschaft einig.

Erstmals in ihrer Amtszeit kam Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) zu dem traditionellen Empfang der Ärzteschaft und reihte sich in die Schlange der 300 Gäste in der Saarbrücker Congresshalle ein. Diese Warteschlange werde hoffentlich nicht symptomatisch für die Arbeit der neuen Servicestelle zur Vergabe von Facharztterminen sein, die am 25. Januar startet, meinte die Regierungschefin. In ihrer Rede bekannte sie, dass sie sich als einstige Ministerin um das Gesundheitsressort gedrückt habe, "weil es nicht das einfachste aller Ressorts ist".

Kramp-Karrenbauer dankte allen Ärzten, Pflegekräften, Auszubildenden und Ehrenamtlichen des Gesundheitswesens im Land für ihre Arbeit und betonte unter viel Applaus: "Das A und O ist, dass es in Zukunft genügend Bewerber für den Arztberuf gibt. Deshalb werden wir die Medizinische Fakultät der Uni im Saarland auf keinen Fall schließen." Um mehr Ärzte im Land zu halten, regte Kramp-Karrenbauer neue Auswahlkriterien zum Medizinstudium an. Neben den Abiturnoten soll es künftig auch Bonuspunkte für angehende Studenten geben, die Homburg als Präferenz nennen und sich zudem ehrenamtlich engagieren.

Ärztekammerpräsident Dr. Josef Mischo sagte, das gut funktionierende Verhältnis von Ärzteschaft und Politik sowie aller anderen Akteure im Saarland sei von besonderer Bedeutung für das Gesundheitswesen und seine Patienten .

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Saar, Dr. Gunter Hauptmann, betonte, im ständigen Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zwängen und den oft höher geschraubten Erwartungen der Patienten hätten es die Kassenärzte auch im Saarland nicht immer leicht und müssten dafür kämpfen, dass "das Ansehen unseres Berufs nicht unter die Räder kommt". Seine derzeit größte Sorge gelte aber dem Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), "der nur noch als Komplettausfall zu bezeichnen ist", meinte Hauptmann. "Der KBV-Vorstand ist innerlich zerstritten und nicht dialogfähig", kritisierte er. Im Saarland selbst sehe er dagegen keine großen Probleme, sondern nur neue Herausforderungen für die Ärzteschaft.