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Mieter stützen Villa Röchling

Die Villa Europa, hat sich in den beiden vergangenen Jahren zum Ort der Begegnung entwickelt. Zuletzt wurde dort der französische Nationalfeiertag gefeiert. Foto: Barbian
Die Villa Europa, hat sich in den beiden vergangenen Jahren zum Ort der Begegnung entwickelt. Zuletzt wurde dort der französische Nationalfeiertag gefeiert. Foto: Barbian
Saarbrücken. Deutsch-französisch wird von Saarländern und Lothringern an vielerlei Örtlichkeiten sprichwörtlich auf der Grenze gefeiert Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Saarbrücken. Deutsch-französisch wird von Saarländern und Lothringern an vielerlei Örtlichkeiten sprichwörtlich auf der Grenze gefeiert. Aber auch abseits der Volkstümlichkeit und des realen Grenzverlaufs hat sich in den beiden vergangenen Jahren eine ganz besondere Immobilie zum Ort der Begegnung entwickelt: die 1913 auf dem Saarbrücker Rotenbühl erbaute Villa Röchling, die heute Villa Europa heißt und im Wesentlichen die deutsch-französische Hochschule (als Hauptmieter) beherbergt. Es stehen aber auch repräsentative Räume zur Verfügung, die tageweise oder für besondere Anlässe vermietet werden. Zuletzt geriet das Fest des französischen Nationalfeiertages zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Die Gäste schwärmen bis heute davon.


Die Immobilie und das Gartengrundstück, beides denkmalgeschützt, sind im Besitz des Saarlandes und werden als Liegenschaft vom Finanzministerium verwaltet. Staatssekretär Gerhard Wack ist sehr zufrieden mit der Entwicklung dieses Hauses, das schon Wohnhaus, Kinderheim, Altersheim und Internat gewesen war, von 2001 bis 2004 leer stand und das dann vom Saarland für 4,9 Millionen Euro zu dem herausgeputzt wurde, was es heute darstellt. Das war nicht wenig Geld für ein Land mit Haushaltsnotlage. "Es ist gelungen, aus einer schwierigen Situation, nämlich dem Leerstand, eine adäquate Nutzung ins Haus zu bringen, die sich dank eines guten Mieters einigermaßen rechnet und die dem Denkmalschutz Rechnung trägt", fasst der Staatssekretär bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung zusammen.

Besondere Erwähnung ist ihm wert, dass der Umbau in harmonischem Einvernehmen mit der Nachbarschaft erfolgte.



Auch bei der Vermietung achtet das Ministerium dem Vernehmen nach auf Behutsamkeit. Nicht jedes "Event" wird hier geduldet, die Nutzung soll dem Charakter des repräsentativen Gebäudes und seiner Bedeutung für die deutsch-französische Gemeinschaft entsprechen. "Es soll sich nicht abnutzen", bringt es Gerhard Wack auf den Punkt. Gern gesehen sind neben kulturellen Ereignissen auch Präsentationen von Luxuswaren. Mehrfach diente das Haus auch als Kulisse für Filme.

Welche Sorgen das Land mit Immobilien haben kann, wie schwer es ist, wertvolle Gebäudesubstanz heute zu verkaufen, zeigen zwei Beispiele am Staden. So wurden kürzlich nur 560 000 Euro beim Verkauf des Hauses Nummer 16 erlöst, ein nach allgemeiner Einschätzung viel zu niedriger Preis für solch ein "Filetgrundstück". Für das Nachbargebäude 17, von einem gar doppelt so großen Garten umgeben, wurden in einem ersten Bewerberverfahren nur 660000 Euro geboten.

Wie Wack erklärte, blieben von 40 Interessenten am Schluss nur noch vier übrig. Grund: Der Denkmalschutz macht die neue Nutzung kompliziert, zumal wenn sanitäre Anlagen nicht verändert werden können. Ein Insider aus dem Ministerium: "Selbst vermögende Investoren sind unter diesen Umständen nicht zu Käufen bereit." Zu dem zuletzt gebotenen Preis wolle man allerdings nicht verkaufen, so dass eine neue Ausschreibung erfolgt. Wack ist jedenfalls entschlossen: "Ich setze mich auch nicht dem Vorwurf aus, dass wir uns die Arbeit zu leicht machen."