Messerscharfer Verstand und sprachliche Virtuosität

Saarbrücken. "Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach 100 Jahren möcht ich gelesen werden." 164 Jahre sind vergangen, seit Annette von Droste-Hülshoff, von der diese Zeilen stammen, im Alter von 51 Jahren starb. Gelesen werden ihre Werke noch immer, allen voran die schon zu Lebzeiten der Autorin erfolgreiche Novelle "Die Judenbuche"

Saarbrücken. "Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach 100 Jahren möcht ich gelesen werden." 164 Jahre sind vergangen, seit Annette von Droste-Hülshoff, von der diese Zeilen stammen, im Alter von 51 Jahren starb. Gelesen werden ihre Werke noch immer, allen voran die schon zu Lebzeiten der Autorin erfolgreiche Novelle "Die Judenbuche".Ein Literaturabend im Schlosskeller machte am Mittwoch Lust darauf, sich näher mit Leben und Werk der Dichterin auseinanderzusetzen und einzutauchen in ihre von tiefen Emotionen, messerscharfem Verstand und sprachlicher Virtuosität getragenen Poesie.

Als Einstimmung auf den Internationalen Frauentag hatte das Frauenbüro des Regionalverbandes Saarbrücken zu der Veranstaltung mit der Journalistin Katharina Fiedler und dem Schauspieler Peter Tiefenbrunner eingeladen.

Wer gekommen war, erlebte einen Abend, der unter die Haut ging: Mit viel Gefühl für die feinsinnigen Texte der Autorin trugen Tiefenbrunner und Fiedler Gedichte, Briefe und Auszüge aus größeren Werken vor und gaben zugleich einen Einblick in das Leben der Annette von Droste-Hülshoff, einer Außenseiterin in ihrer Zeit.

Den engen Bahnen des im frühen 19. Jahrhundert vorgezeichneten Frauenlebens in adligem Milieu folgte sie nicht, blieb unverheiratet und schenkte ihre heimliche Liebe dem 17 Jahre jüngeren Levin Schücking, der sie nach einigen gemeinsamen Monaten auf Schloss Meersburg verließ, um eine Jüngere zu ehelichen. Leidenschaft und Sehnsucht, nicht zuletzt aber auch Kampfgeist und mutige Entschlossenheit, den gewählten Weg bis zum Ende zu gehen, sprechen aus den späten Gedichten, mit denen Annette von Droste-Hülshoff der Welt Lebewohl sagte. Man hätte sich zum Vortrag dieser Worte keine andere Stimme als die von Katharina Fiedler wünschen mögen, deren warmes, sinnliches Timbre die magische Wirkung des Wortzaubers zur Entfaltung brachte, während Peter Tiefenbrunner den zwischen den Zeilen aufblitzenden Humor der Dichterin so recht zum Funkeln brachte. Mit Licht und Videoprojektionen gelungen in Szene gesetzt wurde die Lesung von Studenten der Hochschule für Bildende Künste Saar. rae