„Mein Zuhause ist Saarbrücken“

Ihr deutscher Pass ist für die 29-Jährige Argentinierin Yamila Khodr „mehr als ein Stück Papier“. Sie sagt: „Ich bin Deutschland unendlich dankbar: Denn hier konnte ich meinen Traumberuf als Tänzerin ausüben. In Argentinien wäre das nicht möglich gewesen.“

Seit wenigen Tagen hat Yamila Khodr (29) neben der argentinischen Staatsangehörigkeit auch die deutsche. Am 1. August überreichte ihr Oberbürgermeisterin Charlotte Britz ihre Einbürgerungsurkunde.

"Ich habe mich einbürgern lassen, weil ich finde, dass ich hierhin passe", sagt die Tänzerin, die sechs Spielzeiten am Staatstheater im Ballett-Ensemble von Marguerite Donlon tanzte. Seit einem Jahr ist sie freiberuflich, hat Engagements in verschiedenen Tanzprojekten weltweit und ist viel unterwegs: "Doch mein Zuhause ist Saarbrücken. Ich freue mich immer, wenn ich zurückkomme."

Der neue Pass ist für die 29-Jährige "mehr als ein Stück Papier, ich bin Deutschland unendlich dankbar, denn hier konnte ich meinen Traumberuf als Tänzerin ausüben, in Argentinien wäre das nicht möglich gewesen."

Die Argentinien-Krise, die im Dezember 2001 in einer Staatsinsolvenz gipfelte, lässt die damals 17-Jährige einen mutigen Schritt fassen: "Ich wollte schon als Dreijährige nur tanzen, unbedingt. Die Krise hatte das Land fest im Griff - für Kunst war kein Geld da. Also verließ ich 2002 meine Heimatstadt Buenos Aires und zog zu einer befreundeten Familie nach Hannover." Deutsch, beschreibt sie, sei ihr nie fremd gewesen, weil ihre Mutter, eine gebürtige Bolivianerin, eine deutsche Schule besucht hatte und viele deutsche Freundschaften pflegte. "Ich hörte sie immer am Telefon mit deutschen Freunden reden. Ich konnte aber kein Deutsch. Die ersten vier Monate in Hannover büffelte ich die Sprache."

In Frankfurt am Main studiert sie an der "Hochschule für Musik und Darstellende Kunst" und lässt sich vier Jahre lang zur Bühnentänzerin ausbilden. Eine ihrer Dozentinnen ist die spätere Saarbrücker Ballettchefin Donlon. In Saarbrücken bekommt sie ihr erstes Engagement, verliebt sich in einen Ballettkollegen und findet viele Freunde.

Ihr Leben, beschreibt sie, spielt sich hier ab: "Ich fühle mich dazugehörig", sagt sie und strahlt. Wenn sie ihre alte Heimat besucht, aus dem Flieger steigt und Buenos Aires' "Luft riecht, ist das zwar immer noch ein Teil von mir, meine Eltern, mein Bruder und alte Freunde leben dort, aber mittlerweile fühle mich hier wohler". Die Millionenstadt sei ihr zu hektisch, zu gefährlich, "man guckt eigentlich ständig nach links und rechts, weil man Angst hat, ausgeraubt zu werden, und man sitzt stundenlang im Auto". Saarbrücken aber ist "kleiner, beschaulicher, und ich fühle mich hier sicherer".

Was hat die Familie zur Einbürgerung gesagt? "Sie hat sich gefreut", sagt Yamila lachend, "und ich hab' einen neuen Spitznamen: die Deutsche."

Ihre Mutter, beschreibt sie, hätte gerne nach ihrem Abitur - wie die meisten ihrer Schulfreunde in Bolivien - in Deutschland studiert: "Doch mein Großvater verhinderte das. Er wollte seine Tochter nicht in die Fremde ziehen lassen. Bei mir war das anders: Ich bin gegangen. Meine Mutter sagt heute, dass sich mit meiner Einbürgerung der Weg, den sie eingeschlagen hatte, vollendet hat: Ich habe den Kreis geschlossen." < wird fortgesetzt