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„Mehr Sportplätze für alle“

Saarbrücken. Die Stadt tut zu viel für den Fußball und fördert mit Steuergeld Elitesport, anstatt das Geld für den Breitensport einzusetzen – Eltern am Kieselhumes äußern Unbehagen an einem Trend zu exklusiven und abgesperrten Sportstätten. Peter Wagner

Kommt Saarbrücken noch seiner Aufgabe nach, frei zugängliche Sportstätten für alle zu bauen und dem Breitensport behilflich zu sein? Dass der Sportverein Saar 05 einen früheren Tennisplatz in ein Kunstrasen-Kleinfußballfeld umbaut und dafür 90 000 Euro Zuschuss von der Stadt erhält (SZ vom 7. März: "Ende des Trainingsnotstands"), hat unter Anliegern Protest ausgelöst. Gleich mehrere Eltern aus St. Johann, vor allem aus dem Quartier Kieselhumes/Rotenbühl, beklagten gegenüber unserer Zeitung, dass früher frei zugängliche Sportanlagen für Sonderinteressen genutzt und der Allgemeinheit damit quasi entrissen würden.

Bestes Beispiel sei der alte Braschenplatz am Kieselhumes, der zum Kunstrasen für Kicker wurde. Warum werde nicht mehr für Handball, Hockey, Basketball oder Fitness allgemein getan? "Unseren Kindern, die gerne Fußball spielen würden, wird das Gelände als Bolzplatz vorenthalten, damit die Elite weiter trainieren kann. Das darf meiner Ansicht nach nicht sein, denn es sind unsere Steuern, die dort ausgegeben werden", beklagt etwa Sabine Maaß. Wie auch weitere Mütter hat sie den Eindruck, dass Saar 05 Fußballkinder ablehnt, die den Qualitätsansprüchen der Trainer nicht genügten. Sie würden bei Probetrainings "aussortiert" und an Vereine in der Nachbarschaft verwiesen. Auf deren - vernachlässigten - Hartplätzen könnten sie sich dann die Knie verfallen, um bei späterer Eignung gnädig von den "Premiumclubs" übernommen zu werden. Lobend heben die Eltern den TB St. Johann heraus, der jedes Kind dankbar annehme.

Frank Seibert, Vorsitzender der Abteilung Jugendfußball des SV Saar 05, widerspricht entschieden der Darstellung, der Club sei ein Eliteverein. "Wir schicken niemanden nach Hause, weil er nicht gut genug ist", versichert er. Der Verein mit seinen 263 Spielern in 16 Jugendmannschaften habe große Platzprobleme, deshalb könne er nicht immer alle Interessenten nehmen und entscheide sich im Zweifelsfall für die Bewerber aus der Umgebung. Man verstehe sich als Verein von St. Johann. Bei G-Jugendlichen sei es im Übrigen gar nicht möglich, nach späterer Tauglichkeit für den Fußball zu sortieren. Das Kriterium könne allenfalls sein: Spielt ein Kind mit, oder sitzt es lieber im Sand?

Was den Vereinschef und die Eltern wieder eint, ist der Wunsch nach mehr Bolzplätzen. 60 davon gibt es nach Angaben des Amtes für Grünanlagen in der Stadt. Lediglich vier davon gelten, so Amtsleiterin Carmen Dams, als "problematisch", weil sie von Unbefugten benutzt werden und Beschwerden aus der Nachbarschaft erzeugen: Am Homburg, Grundschule Eschberg, Weißenburger Straße und Landwehrplatz (Basketballfeld). In allen Fällen sei man um Abhilfe bemüht oder habe sie bereits erreicht, hieß im letzten Bauausschuss.